Flüchtlingskoordination im Jahresrückblick

Flüchtlinge-Europa-Krefeld

In Krefeld leben derzeit rund 3000 Menschen, die aus ihrem Heimatland geflüchtet sind. Sie erhalten Unterstützung von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die in ihrer freien Zeit Begegnungen organisieren, Deutsch unterrichten, Freizeitaktivitäten anbieten, Menschen bei Behördengängen begleiten und als Paten zur Verfügung stehen. „Auch wenn der Zustrom der Geflüchteten abgeebbt ist, ist die Arbeit der Ehrenamtler weiterhin wertvoll und wichtig“, betont Doris Schlimnat. Als Nachfolgerin von Dr. Hansgeorg Rehbein hat sie zu Beginn dieses Jahres die Flüchtlingskoordination der Stadt Krefeld übernommen. Gemeinsam mit ihrem Team steht sie seitdem den ehrenamtlichen Helfern in der Flüchtlingshilfe als Servicestelle zur Verfügung. Viele Projekte werden von hier aus organisiert und auch finanziell gefördert. Beigeordneter Markus Schön weiß die Arbeit der Flüchtlingskoordination zu schätzen: „Diese Schnittstelle zwischen Zivilgesellschaft, Geflüchteten und Verwaltung ist ein wichtiger Kitt, der Integration gelingen lässt“, stellt er fest.

Offene Sprechstunden zu Ausbildung und Beruf

Immer noch gehen monatlich rund 240 Anfragen von Ehrenamtlern im Büro an der St.-Anton-Straße ein. „Geändert haben sich lediglich die Themen“, so Schlimnat: Musste die Flüchtlingskoordination in ihren Anfängen zunächst vorwiegend Fragen zu Grundversorgung, Wohnung, Kleidung und Möbelbeschaffung beantworten, gehen seit diesem Jahr immer mehr Fragen ein zu Ausbildung, Beruf und Bleiberecht. Antworten dazu geben die Experten natürlich am Telefon, organisieren jedoch auch in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Zentralstelle für Beschäftigungsförderung und dem Jobcenter Informationsveranstaltungen und Fortbildungen für die Ehrenamtler zu diesen Themenkomplexen. „Seit den Sommerferien gibt es auch für die Geflüchteten regelmäßig offene Sprechstunden zu Ausbildung und Beruf, die rege genutzt werden. Der Bedarf ist groß“, weiß Schlimnat.

Die Flüchtlingskoordination erreicht die Ehrenamtler über eine große Verteilerliste, in der zu Beginn vor drei Jahren rund 800 Helfer eingetragen waren. Mittlerweile sind dort immerhin noch circa 500 Krefelder registriert. „Und auch, wenn nicht mehr alle in ihrem Engagement aktiv sind, finden sich über diesen Weg immer wieder Helfer für kleinere Projekte“, freut sich Doris Schlimnat. So haben sich zum Beispiel auf Nachfrage mehr als 15 Freiwillige gemeldet, die bereit sind, in ihrer Freizeit das Projekt „Einfach Deutsch“ in der Mediothek zu begleiten. Viele Geflüchtete, die ihre Deutschkenntnisse anwenden oder verbessern wollen, nehmen dieses Kommunikationsangebot einmal in der Woche war. Auch die bereits in fünfter Reihe laufenden „Basis“-Deutschkurse hat die Flüchtlingskoordination organisiert. Eine weitere Reihe startet im Dezember. WenDo-Workshops für geflüchtete Frauen sind ebenfalls geplant.

Vorbild aus Kassel soll umgesetzt werden

„Für die Geflüchteten ist der persönliche Kontakt zu den Menschen, die hier wohnen, immens wichtig“, betont Doris Schlimnat. Gemeinsam mit ihrem Team versucht sie deshalb immer wieder, hierfür Gelegenheiten zu schaffen. So findet in Kürze auf Anregung eines Ingenieurs aus Syrien erstmalig ein „Akademiker-Coaching“ statt, das einen Austausch von geflüchteten Fachleuten mit einem deutschen Kollegen ermöglicht. Den Anfang macht ein Apotheker, Treffen mit Vertretern weiterer Berufsgruppen sind vorgesehen. Geplant ist zudem die Einrichtung eines „Nachhilfe-Centers“ für Berufsschüler, eine Mini-Gruppe aus zwei Personen besteht bereits. Die Flüchtlingskoordinatorin sucht weiterhin Freiwillige, die bereit sind, Azubis beim Lernen zu unterstützen. Sie will zudem eine Idee aus dem Werra-Meißner-Kreis in der Nähe von Kassel aufgreifen. Dort haben zwölf Geflüchtete während ihrer dreijährigen Ausbildungszeit in einer betreuten „Ausbildungs-Wohngemeinschaft“ gelebt und anschließend ihre Ausbildung erfolgreich absolviert. Eine Umsetzung wäre auch in Krefeld möglich, meint Beigeordneter Schön.