Freischwimmer wollen das Stadtbad neu beleben

Schwimmbad Krefeld

Während Nils Rottgardt, Katrin Mevißen und Marcel Beging mit einigen Pressevertretern vor dem Stadtbad an der Neusser Straße warten, spricht ein Mann mittleren Alters das Trio durch den Bauzaun spontan an. Er habe hier Schwimmen gelernt, schwelgt kurz in Erinnerungen mit einen freundlichen Lächeln und fragt, was denn nun mit dem Bad passieren soll.

Neugierig hört er den Dreien zu, die von ihrem neugegründeten Verein „Freischwimmer“ berichten und ihren Plänen, das Gebäude für die Krefelder wieder erlebbar zu machen. Auf diese emotionale Identifikation mit dem Stadtbad bauen die „Freischwimmer“. Mit einem neuen Ansatz wollen sie im kommenden Jahr die Türen an der Neusser Straße für die Bürger wieder öffnen.

Sie sind Mitte, Ende 30 und sie bewegt eine große Portion Enthusiasmus – die Freischwimmer. Der Verein besteht zurzeit aus rund 20 Gründern plus Beirat. Die Mitglieder setzen sich aus Politik und Bildung zusammen. In einem Krefelder Brauhaus wurde vor etwas mehr als einem Jahr die Idee geboren, das historische Gebäude in der Innenstadt wieder mit Leben zu erfüllen. „Es gab verschiedene kommerzielle Versuche, das Bad zu beleben“, so Beging. Keiner dieser Versuche war jedoch von einem Erfolg gekrönt. Derzeit arbeite im Auftrag der Stadt ein Berliner Büro an einem Nutzungskonzept, so Rottgardt. Bis das Bad aber umgebaut und einer neuen Funktion übergeben wird, wolle der Verein diesen Zeitraum nutzen, die Hallenbäder sowie das Freigelände für die Krefelder wieder erfahrbar zu machen. Sie sehen das Ganze auch als einen Impulsgeber für die Südstadt an, um dort neue Angebote und Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen.

Die „Freischwimmer“ werden im kommenden Frühjahr ein Programm mit szenischen Führungen und anderen Veranstaltungen an der Neusser Straße beginnen. Der Verein plane zudem ein Konzept, wie sich Bürger in das Projekt der Reaktivierung mit ihren Ideen und Wünschen einzubringen können. Hier möchten sie aber nichts vorgeben, sondern unvoreingenommen alle Ideen aufnehmen. Ferner sei eine Reihe in der Volkshochschule Krefeld mit Stadtbauexperten und Bürgern geplant, die unter anderem Impulse für die Diskussion geben soll. Der Verein sehe sich hier als Prozessentwickler und lege den Schwerpunkt auf neue Wege der Stadtentwicklung. Für ihre Vorhaben unterstützt die Stadt Krefeld den Verein mit 25.000 Euro. „Ohne die Stadt ist das alles nicht möglich“, bedankt sich Beging. Es sei ein Vertrauensvorschuss, der dem Verein ungemein helfe.

Das Stadtbad Neusser Straße wurde am 1. Mai 1890 feierlich eröffnet. Es galt als schönste und prächtigste Badeanstalt im Deutschen Reich. Ein Erdbeben im April 1992 verursachte Risse in den Becken der Damen- und Herrenhalle. Das Stadtbad wurde vorübergehend geschlossen. Während 1994 das Herrenbad als Bestandteil des seit 1985 unter Denkmalschutz stehenden historischen Komplexes saniert und wiedereröffnet wurde, wurden das Damenbad und die übrigen Abteilungen nicht mehr in Betrieb genommen. Seit der endgültigen Schließung 2003 steht das Stadtbad leer. Wer sich an dem Projekt der „Freischwimmer“ beteiligen und sich mit seinen Ideen einbringen möchte, erhält weitere Informationen auf der Internetseite. Hier kann auch ein Newsletter abonniert werden.