Kunstmuseen erhalten hochwertige Leihgaben

Kunst-Museum-Kleider

Die Albertina in Wien, das Lenbachhaus in München, das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Sammlung Laura Biagiotti in Rom – die Liste der nationalen wie internationalen Leihgeber ist diesmal besonders lang. Für die aktuelle Ausstellung „Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft“ haben die Kunstmuseen Krefeld erstmals seit der Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Museums zahlreiche Ausleihen aus dem In- und Ausland erhalten. Vor der Sanierung bestanden in den Ausstellungräumen am Joseph-Beuys-Platz keine nach internationalem Museumsstandard üblichen Klimabedingungen. „Das Haus kann nun auch mit großen Ausstellungen klassischer Moderne am internationalen Kunstgeschehen teilhaben“, sagt Museumsleiterin Katia Baudin.

Aus der österreichischen Hauptstadt kamen zahlreiche Werke nach Krefeld, darunter eine farbige Zeichnung des weltbekannten Malers Gustav Klimt. „Das wunderbare, sehr empfindliche Blatt hätten wir ohne ein stabiles Klima niemals ausstellen dürfen“, sagt Kuratorin Magdalena Holzhey. Eine Zeichnung von Wassily Kandinsky, Mitbegründer der Künstlergruppe „Der blaue Reiter“, stellte das Lenbachhaus in München für die Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum zur Verfügung. Aus Großbritannien wurden zwei Aquarelle der schottischen Künstlerin Frances McNair aus dem Hunterian Museum in Glasgow ausgeliehen, die erstmals in Deutschland gezeigt werden. Die „Dame auf der Wandelbahn eines Seebades“ kam aus Berlin an den Rhein. Aus der Nachbarstadt Neuss stammt das Porträt Charlotte Berends im weißen Kleid von Dante Gabriel Rossetti. Zu weiteren Highlights der Ausstellung gehören das von Sonia Delaunay entworfene „Simultankleid“ von 1913, eine sogenannte „Delphosrobe“ aus plissierter Seide des Universalkünstlers Mariano Fortuny, futuristische Anzugentwürfe von Giacomo Balla aus der Sammlung Laura Biagiotti in Rom, und frühe Kleidungsstücke des berühmten Pariser Modeschöpfers Paul Poiret. „Derartig hochwertige und exklusive Werke hätten wir vor der Sanierung des Hauses auf keinen Fall bekommen“, so Holzhey.

Die Voraussetzung, Leihgaben aus Museen und aus Privatsammlungen zu erhalten, wurde erst durch den Einbau einer neuen Klimatechnik im Kaiser-Wilhelm-Museum ermöglicht. „Damit werden heute die internationalen Museumsstandards für Raumtemperatur und Luftfeuchte erfüllt“, sagt Klaus Perau vom städtischen Gebäudemanagement. Die Anlage setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, unter anderem den 62 unterhalb der Fenster installierten dezentralen Voll-Klimaanlagen zum Heizen, Kühlen, Ent- und Befeuchten. Die einzelnen Bestandteile der Klimatechnik sind exakt aufeinander abgestimmt und kommunizieren kontinuierlich miteinander. „Wenn beispielsweise eine Besuchergruppe durch einen Ausstellungsraum geht und verweilt dort eine Zeitlang, dann erhöht sich durch die Personen in dem Raum die relative Feuchte und die Geräte wechseln in die Entfeuchtungsfunktion“, erklärt Perau. Einen weiteren Bestandteil bildet die Fußbodenheizung, die im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt wird. Eine vollumfängliche Gebäudeautomation sorgt für den reibungslosen Betrieb der Einzelanlagen als Ganzes. Diese erfasst und dokumentiert über funkbasierte Fühler permanent sämtliche Werte. „Diese liegen aktuell bei 22 Grad Celsius und 52,5 Prozent relativer Feuchte, können aber individuell verändert werden“ so Perau.

Die aktuelle Ausstellung „Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft“ versammelt rund 300 Exponate: Textilien, Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle, Plakate, Buchkunst, Fotografien und Film. Neben zahlreichen Beständen der eigenen Sammlung lebt die inszenierte Schau von hochkarätigen Werken öffentlicher Museen und privater Sammlungen aus dem In- und Ausland. Die Ausstellung dauert bis zum 24. Februar. Begleitend ist ein Katalog erschienen. Informationen zu Führungen und Veranstaltungen stehen online.