Notfalldose ab sofort in Krefeld auch kostenfrei erhältlich

Alltag beim Notarzteinsatz: In der Wohnung liegt ein bewusstloser Mensch und kein Angehöriger ist da, der Auskunft geben kann. Für die Notärzte eine heikle Situation, denn sie benötigen unter anderem Informationen über Vorerkrankungen beziehungsweise Medikamenteneinnahmen des Patienten.

Die Suche nach entsprechenden Hinweisen, wie Tablettendosen oder Arztbriefen, kostet wertvolle Zeit. Genau in dieser Situation hilft die Notfalldose – eine Idee so genial wie einfach. Ab sofort ist sie auch für Krefelder Bürger an verschiedenen Stellen kostenfrei erhältlich.

Auf Anregung der Landesseniorenvertretung Nordrhein-Westfalen hat der städtische Seniorenbeirat das Projekt Notfalldose initiiert. Die kleine runde Plastikbox mit weißem Kreuz auf grünem Grund enthält wichtige medizinische Angaben für Notärzte und Rettungsdienst – und lagert gut sichtbar in der Kühlschranktür. Der Kühlschrank als Aufbewahrungsort ergibt Sinn, weil er in allen Haushalten vorhanden und gut zu finden ist, wodurch Rettungskräfte somit sehr schnell lebensrettende Informationen erhalten. „Kleine Sache – große Wirkung. Das ist ein konkretes Stück Lebensrettung“, lobt Beigeordneter Thomas Visser und dankt dem Seniorenbeirat für seine Initiative.

In der Dose steckt ein Formular mit den wichtigsten Daten des Patienten. Allergien, Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten und Patientenverfügungen lassen sich so auf einen Blick erfassen. Ein aktueller Medikamentenplan hilft den Rettungskräften, die richtigen Mittel zu verabreichen. Auch der letzte Arztbrief und die Angaben zu einer Kontaktperson kommen hinein. Kleine Aufkleber auf dem Kühlschrank und innen auf der Haus- oder Wohnungstür weisen auf die Notfalldose hin. „Zwei Drittel unserer Einsätze haben wir in Wohnungen. Als Rettungsdienst sind wir also Nutznießer der Notfalldose, denn ein solches System funktioniert immer“, weiß Dr. André Wiegratz, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes.

Es sei außerdem sinnvoll, außen auf die Dose ein Foto zu kleben, um sie eindeutig zuordnen zu können. Die Notfalldose ist hauptsächlich für alleinstehende Personen mit Vorerkrankungen gedacht. Doch auch Angehörige haben relevante Informationen in einer für sie stressigen Situation nicht mehr parat. „Die Dose ist nicht nur für ältere, sondern auch für jüngere Menschen mit Vorerkrankungen interessant. Schließlich bereitet sich niemand auf einen Notfalleinsatz bei sich selbst vor“, erklärt der Feuerwehrarzt.

Mit finanzieller Unterstützung von Stadt Krefeld, dem Reha-Team West, den Stadtwerken, der Volksbank sowie der Sparda Bank West und weiteren Sponsoren konnte der Seniorenbeirat 2500 Notfalldosen anschaffen, die nun an folgenden Stellen kostenfrei erhältlich sind: Über die Mitglieder des Seniorenbeirates, beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Krefeld, Mühlenstraße 42, bei der Pflegeberatung und Altenhilfe der Stadt Krefeld, St.-Anton-Straße 69-71, beim Seniorenclub Bürgertreff der Krefelder Familienhilfe, Ostwall 85, beim Altenclub „Die Brücke“, Bahnhofstraße 57, im Seniorenclub „Em Cavenn“, Albert-Steeger-Straße 27, beim Altenclub „Feierabend“, Sternstraße 61, beim Seniorentreff „Im Konvent“, Konventstraße 17. Die Notfalldose wird außerdem in vielen Krefelder Apotheken, im Handel oder unter www.notfalldose.de angeboten. Die Kosten variieren und betragen rund vier bis fünf Euro pro Stück.

„Wir wünschen uns, dass viele Krefelder Unternehmen, Krankenhäuser und Vereine Notfalldosen kaufen und an Bürger verschenken oder zum Selbstkostenpreis anbieten“, erzählt Karl-Heinz Kraus vom Seniorenbeirat. „Den Aufschlag haben wir gemacht und werden damit hoffentlich eine Welle starten. Es ist entscheidend, dass die Notfalldose von sozialen Einrichtungen weitergetragen wird“, ergänzt Jochen Hochkamer, Vorsitzender des Seniorenbeirats.

Der Seniorenbeirat der Stadt setzt sich aktiv für die Interessen der Krefelder Senioren ein. Er berät die Verwaltung und die politischen Gremien der Stadt im Hinblick auf die spezifischen Wünsche, die die älteren Menschen für das Leben in ihrer Stadt haben. Darum nehmen die Mitglieder auch gerne Anregungen und Beschwerden entgegen, um sie an die zuständigen Stellen weiterzuleiten. Der Seniorenbeirat tagt öffentlich.

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