„Global Network“: Internationale Jugendarbeit via Internet

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Foto: Stadt Krefeld

Die jungen Besucher der beiden städtischen Jugendeinrichtungen – OT Herbertzstraße und Freizeitzentrum (FZ) Süd – begeben sich regelmäßig auf eine Reise ans andere Ende der Welt – zumindest digital. Mit selbst gedrehten Videos, die im Internet über den Instant-Messaging-Dienst „Slack“ auf eine sichere Plattform gestellt werden, stehen sie seit über einem dreiviertel Jahr im kontinuierlichen Austausch mit den Schülern der staatlichen Santa Rita Elementary School auf den Philippinen.

Die Kinder und Jugendlichen beider Einrichtungen haben so die Möglichkeit, die Lebenssituation in dem jeweils anderen Land kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und sich über Unterschiede auszutauschen. Hinter dieser Kommunikation steht das Projekt „Global Network“, das die Abteilung Jugend des Fachbereichs Jugendhilfe initiiert hat und im Rahmen der internationalen Jugendarbeit mit den Krefelder Mädchen und Jungen durchführt.

Brieffreundschaft über Videobotschaften

„Das Projekt funktioniert ähnlich wie eine Brieffreundschaft, die man bekanntlich pflegen muss“, erklärt Manfred Weiland von der Abteilung Jugend. „Einer der beiden Partner gibt die Idee, die der andere dann wiederum aufgreift. Eine kontinuierliche Kontaktarbeit ist dabei sehr wichtig, beide Parteien müssen dran ziehen“, sagt er. Deshalb begibt sich der Kulturpädagoge regelmäßig zweimal pro Woche in die Jugendeinrichtungen. In Absprache mit den dortigen Fachkräften drehen sie neue Videos ihrer analogen Spiele und Aktionen oder schauen sich mit den begeisterten Mädchen und Jungen ein neu eingestelltes Video der Partnerschule an. So findet zu jeder Zeit ein reger Austausch zwischen den beiden Kontinenten statt.

Auch die Verarbeitung der eigenen Aufnahmen – das Schneiden und Unterlegen mit englischen Untertiteln und Musik – geschieht vor Ort unter Einbindung der Kinder. Die Videoaufnahme erfolgt zumeist mit dem Smartphone (je nach Bedarf mit Zusatzausstattung, wie Gimbel oder Drohne), die Bearbeitung mit spezieller Software am Laptop. Es komme allerdings nicht darauf an, am Ende ein durchdesigntes Produkt zu haben, so Weiland. Hier stehen der kreative Prozess und der daraus resultierende Austausch im Vordergrund.

Alltagsthemen im Fokus der Videos

Die Themen aus den „analogen“ Welten der Kinder und Jugendlichen werden nach deren Interessen oder aktuellen Anlässen ausgewählt und umgesetzt oder sie entstehen als Antwort auf ein Video aus den Philippinen. Dabei geht es an beiden Orten um Alltagsthemen aus den Bereichen Medien, Natur, Umwelt, Recycling, Hobbys oder Bewegungsspiele, wie auch um anlassbezogene Themen zu Traditionen, Festen oder dem Wetter. So tauschten sich die deutschen und philippinischen Kinder per Videos über die jeweils landestypischen Bräuche an Weihnachten und Ostern aus und entdeckten selbst hier kulturelle Schnittmengen aus der gemeinsamen christlichen Wertegemeinschaft.

Die Krefelder produzierten Videos zum Valentinstag, dem „Happy Hearts day“, und beim ersten Schneefall im Winter des vergangenen Jahres. Die Mädchen traten unter anderem gegen die Jungen beim Sackhüpfen an – und die Kinder auf den Philippinen taten es ihnen bei ihrer „School Christmas Party“ mit Feuereifer nach. So wurden seit Oktober des vergangenen Jahres bereits rund 25 drei- bis achtminütige Videos umgesetzt und versendet. Aktuell greifen die Krefelder im FZ Süd ein Recycling-Projekt der philippinischen Kinder auf, bei dem leere Plastiktrinkflaschen zu Pflanzbehältern umgewandelt und bemalt werden. Ergänzt wird das aufgenommene Projekt mit der eigenen Idee, selbst gezüchteten Humus als Nährboden in die Gefäße zu füllen, um verschiedene Pflanzen zu züchten. Dazu wurde wieder ein entsprechendes „To do-Video“ mit den Kindern der Einrichtung erstellt.

Parallel läuft außerdem eine Serie „One day in Krefeld“, zu der unter anderem bereits ein Film zum Thema „Erste Hilfe“ mit einer externen Expertin erstellt und versendet wurde. Hier erlernten Kinder wie auch Betreuer zum Beispiel die „stabile Seitenlage“ und erhielten anschließend ein Zertifikat. Die Reaktion der philippinischen „Freunde“ wurde mit Spannung erwartet, da kurze Zeit später ein Erdbeben Santa Rita erschüttert hat und das Krefelder Video somit ungewollt „tagesaktuell“ war. In ihrem Antwort-Video „First Aid Course“ hielten die philippinischen Kinder dann auch ergänzend fest, wie sie sich in einer Erdbebensituation verhalten.

Förderung einer weltoffenen, aufgeschlossenen und interessierten Haltung

„Durch die Nutzung digitaler Medien und der internetgestützten Kommunikation ergeben sich somit ganz neue Möglichkeiten für die internationale Jugendarbeit“, erklärt Weiland. Junge Menschen, die sonst keine Gelegenheiten für internationale Begegnungen haben, sei es aufgrund ihres jungen Alters oder wegen fehlender finanzieller Mittel, erhalten über den Austausch im Rahmen von Global Network Kontakte zu ferner gelegenen Regionen. Im gemeinsamen Dialog lernen sie, ihre eigene Lebenssituation zu reflektieren und Vorurteile abzubauen. In vielfacher Hinsicht erreichen die Mitarbeiter der Abteilung Jugend eine Förderung der teilnehmenden Kinder hin zu einer weltoffenen, aufgeschlossenen und interessierten Haltung, zu einem Bewusstsein für globale Entwicklungen.

„Global Network erfährt gerade eine starke Dynamik“, berichtet Manfred Weiland. Den Austausch mit den Philippinen haben die Krefelder mittlerweile ausgeweitet und kommunizieren auch rege mit der Santa Rita Parish Church und dem Youth Center der Stadt. Der Austausch zwischen den bestehenden Kooperationspartnern soll unbedingt fortgeführt werden. Zu einer geplanten Erweiterung von „Global Networks“ mit einer Jugendeinrichtung in Krefelds Partnerstadt Venlo gibt es bereits Gespräche mit den Kollegen in den Niederlanden. Vor dem Hintergrund der räumlichen Nähe wären hier sogar irgendwann reelle Begegnungen der Kinder und Jugendlichen möglich.