„Krefelder Fairkehr“ feiert 20-jähriges Bestehen

Rainer Behrens (Geschäftsführer Verkehrswacht Krefeld), Verena Fischer (Polizei Krefeld, Direktion Verkehr), Marcus Beyer (Bau- und Planungsdezernent), Ulrich Cyprian (Stadt-Kämmerer) und Michael Hülsmann (Geschäftsführer "Krefelder Fairkehr" von links) freuen sich zusammen mit Freddy Fair über das positive Ergebnis nach 20 Jahren "Krefelder Fairkehr" und sagen daher Danke. Foto: Stadt Krefeld

Die Initiative „Krefelder Fairkehr“ feiert ihr 20-jähriges Bestehen und blickt auf Meilensteine zurück, die zum heutigen Erfolg beigetragen haben. Gleichzeitig sagt sie durch eine Plakataktion aber auch „Danke“.

„Wir hatten in den 1990er-Jahren eine sehr hohe Anzahl an Kinderunfällen, die uns auf einen hinteren Platz in der Landesstatistik geführt haben. Wir mussten handeln“, sagt Marcus Beyer rückblickend. Der gerade von der Stadtverwaltung Kempen gekommene Bau- und Planungsdezernent war einst im Bereich der Krefelder Straßenplanung tätig, kennt Fairkehr also aus nächster Nähe.

Ein Blick zurück: Über 200 Unfälle mit Kinderbeteiligung pro Jahr waren in Krefeld keine Seltenheit in den 1990er-Jahren. Die Stadt beauftragte mithilfe der Stiftung für Kriminalprävention daher die Ruhr Universität Bochum mit einer Forschungsarbeit. Im Rahmen dieser Analyse wurden 799 Kinderunfälle untersucht und so ein klares Bild der Hauptursachen und der Hauptrisikobereiche gezeichnet. Ein Konzept zeigte die Wege für kurz-, mittel- und langfristige Lösungen auf. „Sichtbehinderung durch parkende Fahrzeuge, zu hohe Geschwindigkeit, unsicheres Verkehrsverhalten Rad fahrender Kinder, unzureichende Querungsmöglichkeiten, Gefahr für Rad fahrende Kinder zu den weiterführenden Schulen, fehlende Verkehrserziehung sowie fehlende Öffentlichkeitsarbeit waren die Hauptursachen. Der Stadtrat beschloss die Umsetzung der Vorschläge aus dem Gutachten und die Finanzierung. Der Arbeitskreis ‚Verkehrssicherheit für Kinder‘ wurde gebildet“, schildert Michael Hülsmann. Der Fairkehr-Geschäftsführer ist seit den Anfängen dabei. Keiner kennt das Thema so gut wie er, keiner brennt so wie er für die Sache. „Als es dann 1999 tatsächlich losging, hatten wir 169 verletzte Kinder durch Unfälle. Im vergangenen Jahr erreichten wir schließlich das Rekordtief mit nur noch 73. Darauf können wir schon stolz sein und uns auf die Schultern klopfen.“

Dass Fairkehr ein Erfolgsmodell ist, liegt auch am Konzept, das auf vier Säulen und vier Arbeitsgruppen ruht, in denen viele Akteure miteinander zusammenkommen. In der Arbeitsgruppe „Überwachung und Ahndung“ arbeiten der Verkehrsdienst der Polizei und die Straßenverkehrsabteilung aus dem Fachbereich Ordnung zusammen. Schwerpunkte sind die Überwachung des ruhenden und fließenden Verkehrs, Sondereinsätze wie das Präsenzkonzept Innenstadt oder Blitzmarathons. Die zweite Arbeitsgruppe „Bau- und Verkehrstechnik“ setzt sich aus der Abteilung Verkehrsplanung des Fachbereichs Stadt- und Verkehrsplanung, der Abteilung Verkehrsregelung des Fachbereichs Ordnung und der Direktion Verkehr der Polizei zusammen. Hier geht es vornehmlich um die Straßen- und Radwegeplanung, Tempo-30-Zonen und -Strecken, verkehrsberuhigende Maßnahmen, Ampeln, Markierungen und Beschilderungen sowie Sonderverkehrsschauen zum Thema Kinderunfälle.

In der Arbeitsgruppe „Verkehrserziehung und -sicherheitsberatung“ sind das Schulamt, das Kinder- und Familienbüro und die Verkehrssicherheitsberater der Polizei vereint. Die Kinderstadtpläne und Schulradwegepläne kommen aus dieser AG, die sich auch um das Fußgänger- und Schulwegtraining sowie die Radfahrausbildung kümmert. Vierte Säule von Fairkehr ist die AG Öffentlichkeitsarbeit, in der sich das städtische Presseamt, die Pressestelle der Polizei, die Verkehrswacht und der Fachbereich Stadt- und Verkehrsplanung Gedanken machen, wie die Initiative bekannter werden kann. Das Logo und das Maskottchen Freddy Fair wurden hier geboren sowie Flyer, Plakate und Werbemaßnahmen entworfen. Es gibt den Internetauftritt www.krefelder-fairkehr.de, der einstige Familientag auf der Rennbahn wurde jahrelang unterstützt und Verkehrssicherheitsaktionen beworben. „Wenn wir zurückblicken, sehen wir eine ganze Reihe von Maßnahmen, die in den Köpfen hängengeblieben sind, zum Beispiel Rundfunk-, Kino- und Videospots oder Theaterstücke im Kresch“, so Hülsmann, der in diesem Zusammenhang auch die fünf noch relativ neuen Elternhaltestellen erwähnt, die ein Beweis dafür sind, wie gut die Arbeitsgruppen zusammenarbeiten.

Nahezu jeder junge Krefelder dürfte im Laufe seiner Schullaufbahn mit einer der Fairkehr-Aktionen in Berührung gekommen sein, sei es mit der Puppenbühne, dem Verkehrssicherheitstraining in Kindergärten und Schulen, der Fahrradprüfung oder der Aktion „Black Box“. „Der Erfolg gibt uns Recht. Aber weil jeder Unfall mit Kindern einer zu viel ist, werden wir auch weiter mit voller Kraft dabei sein“, erklärt die neue Direktionsleiterin Verkehr der Polizei Krefeld, Polizeirätin Verena Fischer.

Rainer Behrens, Geschäftsführer Verkehrswacht, hob allerdings auch warnend den Finger und erinnerte an den Unfalltod eines zwölfjährigen Mädchens Ende 2017, das von einem LKW im toten Winkel übersehen wurde. „Das zeigt uns, dass wir mit unserer Arbeit nicht aufhören und uns zurücklehnen dürfen. Ein Viertel der Grundschulkinder kann zum Beispiel nicht richtig Fahrradfahren. Sie werden erst gar nicht zur Radfahrprüfung zugelassen oder fallen durch. Dies wird ein Thema sein, das wir anpacken müssen.“ Die hohe Zahl kommt auch dadurch zustande, dass unter den Grundschülern viele Flüchtlingskinder sind, für die das Fahrrad ein vollkommen neues Verkehrsmittel ist, das sie bislang nicht kannten. Behrens: „Uns muss gelingen, Fairkehr weiter im Bewusstsein zu halten.“

Auch deswegen gibt es nun eine groß angelegte Plakat-Aktion an City-Light-Boards in Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Die beiden auffälligen Plakate mit zwei Kindern, die sich für rücksichtvolles Verhalten im Straßenverkehr bedanken, sind bis zum 11. November zu sehen und wirbt für die Initiative. Verantwortlich für die Gestaltung ist die Firma Reiber Marketing. Von den Kosten in Höhe von 25.000 Euro fördert das Land 80 Prozent.