KWM: Kunst = Mensch. Joseph Beuys in Krefeld

Beuys-Expertin und Kuratorin Magdalena Holzhey und Museumspädagoge Thomas Janzen in der Ausstellung "Kunst = Mensch. Joseph Beuys in Krefeld" im Kaiser-Wilhelm-Museum. Foto: Stadt Krefeld

Beuys ist da. Man kann ihn hören. Leidenschaftlich. Konzentriert. Lachend. An einem heute legendären Abend, der nun schon ein halbes Jahrhundert zurückliegt. Eigentlich soll Beuys im oberen und mit Menschen völlig überfüllten Lichtsaal des Kaiser-Wilhelm-Museums in Krefeld über die neuerworbene Installation „Barraque D`Dull Odde“ den Vortrag „Kunst = Mensch“ halten. Manch ein Zuschauer erwartet in den kommenden Stunden eine Erklärung des Kunstwerkes durch seinen Schöpfer. Doch über die „Barraque D`Dull Odde“ verliert Beuys kaum ein Wort. Dafür spricht er ausführlich über seinen erweiterten Kunstbegriff. Und an diesem 15. Dezember 1971 entwickelt sich dann eine hitzige Diskussion über Kunst und über Beuys. Davon und über die Beziehung des Künstlers zu den Kunstmuseen erzählt die neue Ausstellung „Kunst = Mensch. Joseph Beuys in Krefeld“ im Kaiser-Wilhelm-Museum.

„Den Abend erklärte Beuys später zur Aktion“, sagt Dr. Magdalena Holzhey. Sie hat die aktuelle Ausstellung im Haus am Joseph-Beuys-Platz kuratiert. Die geplante Eröffnung am Sonntag, 28. März, muss zwar wegen der Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben werden, dennoch wird an diesem Tag der Auftakt des Beuys-Jahres in Krefeld in den Sozialen-Medien-Kanälen mit einer virtuellen Eröffnung gefeiert. Die Kunstmuseen bieten zudem vier Online-Führungen durch die neue Ausstellung an. In deren Zentrum stehen die beiden von Beuys selbst gestalteten Räume unter anderem mit der „Barraque D`Dull Odde“. „Es ist das einzige noch vorhandene Raumensemble in Nordrhein-Westfalen, das Beuys selber installiert hat“, sagt Holzhey. Um die Beuys-Räume erzählt sie die langjährige Beziehung zwischen dem Künstler und dem Museum und dessen ehemaligen Direktoren Paul Wember und Gerhard Storck.

Der künstlerische Kontakt beginnt schon zu Beuys Studentenzeiten an der Düsseldorfer Kunstakademie. „Es gibt nicht viele Museen, die so ein Verhältnis zu einem Künstler haben“, sagt Museumsleiterin Katia Baudin. „Wir haben das Glück, dass wir mit Magdalena Holzhey eine international anerkannte Beuys-Expertin haben. Jetzt können wir ihr Wissen mit unseren Besuchern teilen“, betont Baudin. Von Ende der 1940er-Jahre bis in die Mitte der 1980er-Jahre dauerte die besondere Beziehung zwischen dem Museum und dem Künstler an.

„Wir haben Zeichnungen und Fotos aus unserem Archiv herausgesucht und dieses Material in vier Räumen um die Installationen herum ausgebreitet“, so die Kuratorin. Die Einrichtung der beiden Räume dokumentiert Holzhey mit zahlreichen Fotos. Überhaupt werden alle Stationen von Beuys in Krefeld mit vielen Aufnahmen begleitet, der 15. Dezember mit einer Serie des Krefelder Grafikers Theo Windges. Zu den Fotos suchte Holzhey diverse Zeitungsberichte über Beuys Aktionen und Ausstellungen samt Leserbriefen aus dem Archiv aus. Deren Inhalte reichen von fassungsloser Empörung bis hin zur Bewunderung – eine unterhaltsame wie spannende Lektüre.

Zudem können Besucher Beuys an zweit Punkten auch hören: Der Kunst=Mensch-Abend liegt als Audioquelle vor. Man hört auf dieser Tonbandaufnahme auch einen Filzstift quietschen, als Beuys leise während des Schreibens „Kunst gleich Mensch“ sagt. Ebenso können Besucher eine Rede Beuys‘ zur Eröffnung einer Ausstellung in den 1970er-Jahren hören. Neben dem dokumentarischen Teil stellt das Museum auch weitere Kunstwerke aus dem eigenen Bestand aus. Zur Ausstellung wurde außerdem ein Film mit Zeitzeugen-Interviews produziert, die den Facetten von Beuys‘ Verbindung mit Krefeld aus unterschiedlichen Perspektiven nachgehen.