Krefeld zieht die Notbremse: Ausgangssperre gilt ab Montag

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie zieht Krefeld ab Montag die Notbremse. Mit einem ganzen Bündel verschärfter Regeln möchte die Stadt dem zuletzt massiven Anstieg der Infektionszahlen begegnen. Als Hauptgrund nannte Oberbürgermeister Frank Meyer die immer stärkere Belegung der Betten in den Krankenhäusern: „Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, werden wir große Schwierigkeiten bekommen. Die medizinische Versorgungslage ist schon jetzt äußerst angespannt, und die Fälle, die heute auftreten, erreichen die Kliniken erst mit Verzögerung. Einfach weiterzumachen wie bisher – das kann niemand verantworten“, betont der Oberbürgermeister als Leiter des Krisenstabs. Das Gremium hatte sowohl am Donnerstag als auch am Freitag über die sich zuspitzende Lage beraten.

Die neuen Regeln betreffen sowohl das öffentliche Leben als auch die Schulen, die Kultur und den Einzelhandel. Die Vorschriften treten, sofern sie vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales genehmigt werden, sämtlich am Montag, 19. April, um 0 Uhr in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt gilt im gesamten Stadtgebiet eine Ausgangssperre, die jeweils von 21 Uhr abends bis fünf Uhr morgens wirksam ist. In dieser Zeit dürfen Bürger nur aus triftigem Grund das Haus verlassen. „Niemand greift gerne zu solchen einschneidenden Maßnahmen. Aber da wir nach wie vor ein diffuses Infektionsgeschehen haben, ist die einzige Antwort eine Breitband-Antwort. Mit dem Skalpell kommen wir nicht weiter“, sagt Frank Meyer.

Maskenpflicht in Parks

In einem weiteren Schritt wird ebenfalls ab Montag die Maskenpflicht auf öffentliche Grünflächen ausgeweitet. Das bedeutet, dass Spaziergänger unter anderem im Stadtwald, am Elfrather See, auf dem Rheindeich und in Parks jederzeit eine Mund-Nase-Bedeckung tragen müssen. Auch die Maskenpflicht in den hoch frequentierten Fußgängerbereichen der Innenstadt und der Stadtteile besteht weiter. Die Option des „Click & Meet“, mit dem im Einzelhandel bei negativem Test Einkäufe möglich waren, gilt ab Montag nicht mehr. Lediglich das Abholen bereits bestellter Waren bleibt möglich, ebenso die Lieferung und Abholung von Speisen und Getränken in der Gastronomie. Die Aussetzung der Parkgebühren wird ebenfalls bis mindestens 26. April verlängert.

Als Konsequenz aus den steigenden Infektionszahlen sind die städtischen Kultureinrichtungen ab Montag ebenfalls wieder geschlossen. Lediglich der Zoo bleibt als Freilufteinrichtung geöffnet. Es gibt jedoch Absprachen, dass der Zoo eigenständig eine Maskenpflicht einführen wird und eine Testpflicht für das Gelände prüft.

Schulen bleiben im Distanzunterricht

Die Schulen werden am Montag nicht in den Präsenzunterricht zurückkehren. Für mindestens eine weitere Woche sollen die Schüler im Distanzunterricht lernen – ausgenommen sind lediglich die Abschlussklassen. Für die Klassen 1 bis 6 wird eine Notbetreuung angeboten, mit der klaren Betonung auf „Not“. „Ich appelliere an die Eltern, dass wirklich nur Angehörige systemrelevanter Berufsgruppen von diesem Angebot Gebrauch machen“, betont Stadtdirektor Markus Schön. Auch die Kita-Kinder sollen nach Möglichkeit zu Hause bleiben, selbst wenn für diesen Bereich zunächst am eingeschränkten Regelbetrieb festgehalten wird. „Wir sind zuversichtlich, dass vom Land NRW hier in Kürze ein Beschluss zu einer bloßen Notbetreuung erfolgt. Um Verwirrung zu vermeiden, haben wir deshalb auf eigene Maßnahmen verzichtet. Aber sollte kein Signal vom Land erfolgen, werden wir in Kürze selbst tätig werden“, sagt Stadtdirektor Schön.

Keine neuen Regelungen beim Sport

Keine neuen Regelungen gelten fürs Erste für den Krefelder Sport. Hier soll weiter für Einzelpersonen, Mitglieder des gleichen Hausstands und Trainingsgruppe von bis zu zehn Personen die sportliche Aktivität im Freien möglich bleiben. „Die Regeln in diesem Bereich sind bereits sehr stringent und werden im Krefelder Sport auch verantwortungsvoll gelebt. Deshalb bleibt es hier zunächst bei der bisherigen Regelung“, erklärt Markus Schön, der auch als Sportdezernent fungiert.

Die neuen Maßnahmen werden flankiert durch stärkere Kontrollen, wie Ordnungsdezernent Ulrich Cyprian erläutert. Der Kommunale Ordnungsdienst wird deshalb durch Mitarbeiter aus anderen Verwaltungsbereichen verstärkt. „Wir werden auch in Kooperation mit der Polizei die Lage im öffentlichen Raum noch stärker überwachen“, sagt Ulrich Cyprian. Auch die Kontrolle von Quarantänen, die das Gesundheitsamt auferlegt, soll ausgebaut werden.

Kliniken gewappnet

Da die neuen Regelungen erst mit Verzögerung Wirkung entfalten werden, bereiten sich die Kliniken auf die Aufnahme weiterer schwer kranker Covid-Patienten in den nächsten Wochen vor. Es gibt dazu einen Erlass des Landes, planbare Operationen bis auf Weiteres zu verschieben. „Die Krankenhäuser sind zudem gehalten, die Zahl ihrer Intensivbetten möglichst zu erweitern und eine Aufnahmereserve von mindestens zehn Prozent ihrer Kapazität für Corona-Patienten vorzuhalten“, erklärt Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen. Die Kliniken melden auch regelmäßig ihre aktuelle Belegung ans Land, um die Aufnahme neuer Patienten überregional innerhalb von NRW steuern zu können. „So soll eine optimale und flächendeckende Versorgung weiter gewährleistet werden“, sagt Sabine Lauxen.

Die Impfkampagne läuft derweil weiter, durch geringe Liefermengen aber nicht im erwünschten Tempo. So werden in Krefeld in der kommenden Woche lediglich 4000 Dosen für das Impfzentrum erwartet. Hinzu kommen Impfungen für die Krankenhäuser und den Bereich der Wiedereingliederung. „Risikopatienten, ältere Menschen, Kontaktpersonen von Schwangeren und andere priorisierte Gruppen warten verunsichert und teilweise verzweifelt auf ihre Impfung. Aber die angesagte Schwemme an Impfstoff ist bei uns noch nicht angekommen. Wenn wir an dieser Schraube nicht drehen, werden wir in den nächsten Wochen nicht weiterkommen“, sagt Sabine Lauxen. Gleichwohl sind die Jahrgänge 1944 und 1945 ab sofort aufgefordert, ihre Termine über die bekannte Hotline 116 117 bei der Kassenärztlichen Vereinigung zu buchen.

Ausbreitung der Mutationen

Ein wichtiger Grund für den starken Anstieg der Neuinfektionen dürfte auch in der Ausbreitung der Mutationen liegen. Sie machen in Krefeld inzwischen 61,5 Prozent aller Neuansteckungen aus. Von zuletzt 276 untersuchten Abstrichen enthielten 158 Proben die britische Variante des Virus‘, zwölf die südafrikanische Mutation. Für Schnelltests sind in Krefeld weiterhin 115 Testzentren in Betrieb. Dem Wunsch von Dienstleistern, zum Beispiel Friseuren oder Fußpflegern, eigene Teststellen einzurichten, erteilte die Gesundheitsdezernentin eine Absage: „Als Testzentren fungieren weiterhin nur die Stellen, die wir als Stadt genehmigt haben.“

Sieben-Tage-Inzidenz übersteigt 200er-Marke

Die Sieben-Tage-Inzidenz hat in Krefeld die 200er-Marke überschritten. Sie liegt bei jetzt 208,9, nachdem sie am Vortag bei 191,3 lag. Der Krisenstab hat sich umgehend am Morgen mit der neuen Lage befasst und beschlossen, dass die Schulen in Krefeld angesichts dieser Entwicklung am Montag nicht für den Wechselunterricht öffnen werden. Dies bedeutet faktisch eine Fortführung der Regelung der aktuellen Woche (12. bis 16. April) für die gesamte kommende Woche. Einzelne Sonderregeln für Abschlussklassen und Notbetreuung gelten weiter. Die Stadt appelliert aber an die Eltern von Kitas und jüngeren Schulkindern, die Kinder möglichst zu Hause zu lassen.

85 neue Corona-Infektionen verzeichnet der städtische Fachbereich Gesundheit am Freitag, 16. April (Stand: 0 Uhr). Die Gesamtzahl bestätigter Fälle liegt jetzt bei 9.294. Als aktuell infiziert gelten 649 Personen, 69 mehr als am Vortag. Genesen sind nach einer Corona-Infektion inzwischen 8.500 Personen, 18 neu seit dem Vortag. Verstorben sind im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie insgesamt 145 Personen.

44 Personen aus Krefeld im Krankenhaus

Im Krankenhaus liegen nach einer Corona-Infektion aktuell 44 Personen aus Krefeld. 14 dieser Patienten befinden sich auf der Intensivstation, sieben von ihnen werden beatmet. In Quarantäne haben sich – freiwillig oder behördlich angeordnet – seit Ausbruch der Pandemie 28.597 Personen begeben. Bisher sind 47.047 Erstabstriche vorgenommen worden, 630 davon sind noch offen.

Aus dem Bereich Kindertageseinrichtungen (Kitas) und Schulen werden neue Corona-Infektionen gemeldet: Im Familienzentrum Dieselstraße gibt es einen neu bekannt gewordenen Fall. In der Kita Bischofstraße gibt es in zwei verschiedenen Gruppen insgesamt drei Fälle. Einen neuen Corona-Fall gibt es auch am Gymnasium Horkesgath. Die Kontaktpersonen wurden entsprechend informiert.

Der Kommunale Ordnungsdienst hat am Donnerstag im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Coronaschutz-Verordnung insgesamt 17 Bußgeldverfahren eingeleitet. Zehn Bußgelder wurden wegen Verstoßes gegen die Maskenpflicht in hochfrequentierten Fußgängerbereichen ausgesprochen. Jeweils 50 Euro Bußgeld sind in diesem Fall zu zahlen. Sieben Personen trugen im Bereich von Haltestellen keine Maske – sechs waren es an der Haltestelle Rheinstraße, eine am Hansa-Zentrum. Jeweils 150 Euro Bußgeld sind zu zahlen.