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Start aus Krefeld Stadtverwaltung plant neues „Obdach Krefeld“ an der Feldstraße

Stadtverwaltung plant neues „Obdach Krefeld“ an der Feldstraße

Ein obdachloser Mann. Foto: Apollo 22 / Pixabay
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Das Betreuungsangebot für Obdachlose soll in Krefeld neu aufgestellt werden. Die Stadtverwaltung plant die Erweiterung der bestehenden Obdachlosenunterkunft an der Feldstraße in der ehemaligen Don-Bosco-Schule. Damit einhergehen soll auch eine konzeptionell andere Aufstellung unter dem Titel „Obdach Krefeld“. Sabine Lauxen, die als Dezernentin für den Geschäftsbereich unter anderem den Bereich Soziales verantwortet, hat in einer Pressekonferenz mit Wolfram Gottschalk, Fachbereichsleiter für Soziales, Senioren und Wohnen, die Pläne der Stadtverwaltung skizziert und dabei betont, dass es auch um eine „moderne Aufstellung“ der Aufgabe gehe. Die Planung der Stadtverwaltung – eingebettet in das von Oberbürgermeister Frank Meyer initiierte Konzept „Helfen und Handeln“ – setze darauf, dass den betreffenden Personengruppen Angebote gemacht werden. Wenn die Obdachlosen dabei Beratung und Begleitung in Anspruch zu nehmen gewillt sind, haben sie die Chance, dauerhaft eine Unterkunft zu finden.

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Zum Status Quo: An der Feldstraße schlafen die Obdachlosen bisher in zu Schlafsälen umfunktionierten alten Klassenzimmern, die vor der Pandemie für bis zu zehn Personen vorgesehen waren. In Zeiten der Pandemie übernachten zwei bis vier Personen in einem Zimmer. Coronafälle habe es dort bisher noch nicht gegeben, betont Sabine Lauxen. Das Angebot müsse gleichwohl verbessert werden. Im „Obdach Krefeld“ soll es künftig Zimmer verschiedener Kategorien geben. Wenn die Obdachlosen mitwirken und auch begleitende Betreuungsangebote annehmen, erhalten sie nach den neuen Plänen künftig die Möglichkeit der Übernachtung in einem adäquaten Einzelzimmer. „Unser Ziel ist es, die Personen aus der Obdachlosigkeit herauszuholen und sie in ein geeignetes Wohnangebot zu bringen“, sagte Sabine Lauxen.

Rund 70 Personen nutzen die Unterkunft an der Feldstraße

Die Sozialdezernentin skizzierte zu Beginn der Pressekonferenz die bisherige Entwicklung in Krefeld. 2019 war ein grundlegendes Konzept der Betreuung der Obdachlosen erstellt worden, es folgten 2020 die politischen Beschlüsse mit Aufträgen an die Verwaltung. Allerdings zeigte sich, dass die zunächst angedachte Notschlafstelle in einem Gebäudekomplex an der Oppumer Straße baulich den Anforderungen nicht genügen würde. Wolfram Gottschalk und sein Team erstellten dann die Pläne für einen Umbau der ehemaligen Don-Bosco-Schule an der Feldstraße im Südbezirk hin zum neuen „Obdach Krefeld“. Baulich sind dabei sowohl eine Sanierung des denkmalgeschützten Schulgebäudes als auch ein Neubau an der Kölner Straße geplant. Aktuell fungiert die Schule mit den ehemaligen Klassenräumen schon als Notschlafstelle, allerdings bisher nur als Notbehelf. Rund 70 Personen sind derzeit im Schnitt Nutzer der Unterkunft Feldstraße.

Ein-Zimmer-Apartments mit Nasszelle

Geplant sind im neuen „Obdach Krefeld“ unterschiedliche Formen des Schlafens und Wohnens, wie Sabine Lauxen erklärte. Es gibt zum einen den klassischen Notschlafbereich im alten Schulgebäude für die Personengruppen, die nachts in der Not unterkommen müssen. Im Neubau an der Feldstraße werde es Ein-Zimmer-Apartments mit Nasszelle geben. Hier sollen Personen unterkommen können, die bereit sind, sich an gewisse Regeln zu halten. Eine Hausordnung legt diesen Regelkatalog fest. Eine Voraussetzung dabei ist auch, dass die Personengruppen Kontakt mit Sozialarbeitern zwecks Beratung und Begleitung aufnehmen. In der dritten Stufe ist sogar ein regelmäßiger Aufenthalt in einem eigenen kleinen Apartment möglich. Die Person kann sich dann regelmäßig im „Obdach Krefeld“ aufhalten. Eine kontinuierliche Betreuung und Begleitung durch Sozialarbeiter ist hier das Ziel. Das System sei allerdings nach oben und unten durchlässig, betont Sabine Lauxen. Es komme darauf an, dass die Person bereit ist, sich an die Spielregeln zu halten. „Man wird nicht alle von der Straße holen, und man bekommt nicht alle stabilisiert. Die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren, ist bei vielen nicht ausgeprägt. Wir wollen die, die es können, auf dem Weg begleiten.“

200 Obdachlose leben in Krefeld

Rund 200 Obdachlose gebe es in Krefeld, sagt Fachbereichsleiter Wolfram Gottschalk. Es gebe eine gewisse Dunkelziffer – und nicht alle Obdachlosen werde man mit dem neuen Angebot erreichen. Der Anteil der Frauen an den Obdachlosen liege bei rund 25 Prozent und habe sich in den vergangenen Jahren leicht erhöht. Die Zahl der Obdachlosen generell sei in Krefeld als „stabil“ zu bezeichnen. In der Corona-Pandemie würden diese Personen allerdings im Straßenbild mehr auffallen, weil ansonsten weniger Menschen im öffentlichen Raum unterwegs seien. „Rund zwei Drittel der Menschen nutzen die Notschlafstellen nicht“, betont Gottschalk. Diese Personen würden sich alternative Übernachtungsmöglichkeiten suchen – dabei oft eben kein richtiges Dach über dem Kopf haben.

Chance, sich vor Ort täglich zu waschen

Mit den Wohlfahrtsverbänden will die Stadtverwaltung weiter eng zusammenarbeiten. Für den Bereich Betreuung der Obdachlosen ist in Krefeld die Diakonie verantwortlich. Sie betreibt an der Lutherstraße einen Tagesaufenthalt für Obdachlose, der noch ausgebaut wird. Die Caritas selbst hält eine kleine Notschlafstelle für Suchtkranke an der Melanchthonstraße bereit. „Wir wollen den Part der Stadt moderner aufstellen“, sagt Sabine Lauxen. Wichtig seien im Konzept des neuen „Obdach Krefeld“ besonders der Aspekt medizinische Betreuung und der Ansatz von „Waschen ist Würde“. Dies seien die Bereiche, in denen die Stadt gefragt ist. Den Obdachlosen soll die Chance gegeben werden, sich vor Ort täglich zu waschen. Duschen, WC-Bereiche und auch Waschmaschinen wird es in der Notschlafstelle geben.

Neubau ist barrierefrei

Das Erdgeschoss der umgebauten Schule werde barrierefrei sein, der Neubau werde sogar komplett barrierefrei von der ersten bis zur vierten Etage. Im Neubau sollen 30 bis 40 Personen Platz finden, der Notschlafbereich Feldstraße ist für bis zu 90 Personen zugelassen. Es solle dabei künftig auch geschützte Bereiche für Frauen geben. Über solche Angebote würden die Personengruppen wieder ein Gefühl für ihren Körper bekommen, sie würden die Chance erhalten, die Feldstraße mit einem anderen Erscheinungsbild zu verlassen. Auch eine Kleiderkammer und die Wohnungslosenberatung werden angebunden.

Anbindung an das Quartier im Südbezirk

Sabine Lauxen weiß, dass beim „Obdach Krefeld“ das Quartier mit eingebunden werden muss. Ein Förderverein soll sicherstellen, dass die Anbindung an das Quartier im Südbezirk erfolgt. „Das Ehrenamt wird hier gefordert sein“, betont die Dezernentin. Installiert werde auch ein Bewohnerbeirat. „Wir können nicht an der Gruppe vorbeiplanen.“ Man werde sich auch überlegen müssen, wie mit pflegebedürftigen Obdachlosen umgegangen wird, für die es an der Feldstraße keine Angebote geben könne. „Dafür braucht es andere Einrichtungen.“

Relevant für den Haushalt 2022

Als nächste Schritte stehen Gespräche mit dem Zentralen Gebäudemanagement (ZGM) an, das die Raumplanung vornimmt. Dabei können auch der Zeitplan und die Finanzierung konkretisiert werden. „Relevant wird dieses Thema für den Haushalt 2022″, erklärt Sabine Lauxen. Das Konzept wird die Stadtverwaltung im nächsten Ausschuss für Soziales, Arbeit, Gesundheit, Integration und Senioren (SAGIS) präsentieren. Der ursprünglich für den 28. April geplante Ausschuss muss allerdings pandemiebedingt ausfallen.

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