Grüne lehnen Gewerbegebiet Uerdingen Nord II ab

Nach einer durchaus kontroversen internen Diskussion haben sich die Grünen mehrheitlich dafür entschieden, dem einleitenden Beschluss für das geplante neue Gewerbegebiet Uerdingen Nord II nicht zuzustimmen. „Sicherlich wäre es einerseits verlockend, an dieser Stelle ein ökologisch-nachhaltiges Vorzeigeobjekt zu errichten“, räumt der wirtschaftspolitische Sprecher Thomas Ross ein. „Letztlich aber hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass der Verzicht die nachhaltigste Lösung ist.“

Sie stehe im Einklang mit der Ressourcenstrategie der Europäischen Union und dem Klimaschutzplan der Bundesregierung, die den Flächenverbrauch mittels einer Flächenkreislaufwirtschaft bis zum Jahr 2030 auf 30 Hektar pro Tag und bis zum Jahr 2050 auf Netto-Null Flächenverbrauch reduzieren wollen.

“Gerade dabei spielen die Kommunen eine Schlüsselrolle”, so Thomas Ross weiter. Sie müssten sich dieser Verantwortung stellen und könnten dabei bereits jetzt auf eine Vielzahl an Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs zurückgreifen. “Dazu gehört zum Beispiel die von uns Grünen bevorzugte Reaktivierung von Brachflächen”, erklärte Thomas Ross.

Perspektivisch sei ein Flächenverbrauch in der aktuellen Form nicht zukunftsfähig. Gerade mit Blick auf das kürzlich ergangene “Klimaurteil” des Bundesverfassungsgerichtes gehe es darum, mit geeigneten Maßnahmen, in diesem Fall also mit dem Verzicht auf das Gewerbegebiet, die Herausforderungen der Zeit anzunehmen statt die Last in 15 bis 20 Jahren bei der nächsten Generation abzuladen.

Dies alles gelte umso mehr als es sich bei der vorgesehenen Fläche zumindest im westlichen Bereich des Aubruchgrabens um hochwertige und wertvolle Böden handele. “Gerade in Zeiten der Pandemie haben wir erleben müssen, wie wichtig eine stabile Versorgung für uns ist”, so die klimapolitische Sprecherin Björna Althoff. Insbesondere für Lebensmittel seien regionale Produktion und kurze Lieferketten von besonderer Bedeutung. Angesichts dessen fruchtbare landwirtschaftliche Flächen zu opfern, sei der falsche Weg. Vielmehr sei der Erhalt solcher Flächen für die von den Grünen gewollten stabilen, sicheren und regionalen Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen eine unverzichtbare Voraussetzung.

“Letztlich ist die Bebauung des Areals, das sich im Landschaftsplan als für das Stadtklima wichtige Frischluftschneise darstellt, auch aus eben diesem Grunde abzulehnen”, ergänzt Björna Althoff.

„Sollte dennoch mit anderen Mehrheiten der Startschuss für das Projekt gegeben werden, werden wir natürlich nicht die Hände in den Schoß legen“, so Fraktionsvorsitzender Thorsten Hansen. Vielmehr kündigen die Grünen an, sich im laufenden Verfahren mit großem Nachdruck für eine ökologische Ausrichtung der gewerblichen Bebauung einzusetzen, die bisher noch nicht einmal im Ansatz zu erkennen sei. “Dachbegrünung jedenfalls kann hier nicht das Ende der Fahnenstange sein”, so Hansen abschließend.