Museum Burg Linn: Ausstellungen zu Beuys und Sport in Krefeld

Auch die Krefeld Pinguine und der KEV sind Thema in der Ausstellung. Foto: Stadt Krefeld

Mit der Wiedereröffnung des Museums Burg Linn in Krefeld können Besucher ab sofort die beiden neuen Ausstellungen ansehen: Anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Beuys zeigen Dr. Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn, und der Historiker Dirk Senger die Kabinett-Ausstellung „Beuys don’t cry“ im Jagdschloss. Dabei stellen sie persönliche Bezüge von Beuys nach Krefeld und an den Niederrhein vor. In der Wechselausstellungshalle präsentiert Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter, erstmals eine umfangreiche Darstellung des Breiten- und Spitzensport der vergangenen 150 Jahre in Krefeld.

Das Rätsel um Beuys Geburtsort

Joseph Beuys ist tief verwurzelt mit dem Niederrhein. Das beginnt natürlich mit der Geburt bzw. dem Geburtsort. In diversen Biographien und vom Künstler selbst werden die Umstände und der Ort anders wiedergegeben, als es den Tatsachen entspricht. Die Kuratoren schlüsseln in der Ausstellung „Beuys don’t cry“ dieses Rätsel um dem Geburtsort Krefeld auf und erläutern, warum Beuys in seinem künstlerischen Werklauf/Lebenslauf nur Kleve nennt. Ferner betrachten Morscheiser und Senger zwei für Beuys wichtige Freundschaften: Zu den Brüdern Hans und Franz Jospeh van der Grinten aus Kranenburg und dem Schriftsteller Adam Reinhard Lynen aus Krefeld. Während die Freundschaft der Brüder reichlich bekannt ist, geriet die enge Beziehung zu Lynen weitestgehend in Vergessenheit.

Beuys und Lynen lernten sich Ende der 1940er-Jahre im Umfeld der Kunstakademie Düsseldorf kennen. Die Beziehung zu Lynen war Beuys so wichtig, dass er sie in seinem Werklauf/Lebenslauf aufführt. Lynen lebte über längere Phasen als Vagabund und reiste mit einfachsten Mitteln um die Welt. Er kehrte aber immer wieder nach Krefeld zurück und wohnte dort zeitweise mit Beuys in einer Hütte an einem Altrheinarm zusammen. Erstmals wird in einem Museum nun über das abenteuerliche Leben und das bis auf ein Buch bislang unveröffentlichte schriftstellerische Werk von Lynen berichtet. In der Ausstellung „Beuys don’t cry“ greifen Morscheiser und Senger zudem die Themen Beuys und die Musik, sein Wirken als Lehrer im Zusammenhang mit den Schülern Anatol und Norbert Tadeusz sowie sein politisches Engagement für die Grünen auf. Dabei knüpfen sie stets einen lokalen oder regionalen Bezug und laden den Besucher ein, an anderen Orten am Niederrhein mehr über Beuys zu erfahren. Die Ausstellung endet am 14. November.

„Krefeld hat eine unglaubliche Sportgeschichte“

Bereits die Aufrufe, die Ausstellung „Krefelder Sportgeschichte. Eine Spurensuche“ mit Exponaten zu unterstützen, zeigte das enorme Interesse an dem Thema. Diverse Vereine und Sportler haben sich in den vergangenen Monaten bei Dautermann gemeldet. „Da ist einiges reingekommen“, lacht der Kurator. Diese Resonanz dokumentiert auch ein Defizit in der lokalgeschichtlichen Forschung: In der fünfbändigen Stadtgeschichte sei Sport nur ein Randthema. Hier setzte Dautermann an und forschte vor allem im Stadtarchiv und in den Vereinen. Dabei entdeckte er bislang unbekannte Quellen und Dokumente. Die mit Exponaten – wie einer Kopie des DFB-Pokals oder olympischen Medaillen – üppig ausgestattete Ausstellung konzentriert sich nicht nur auf populäre Sportarten wie Fußball und Eishockey, sondern rückt unter anderem Tennis, Boxen, Schwimmen, Golf, Rad- und Motorsport in den Mittelpunkt. „Krefeld hat eine unglaubliche Sportgeschichte“, betont Dautermann. Diese Ausstellung endet am 30. Januar 2022.

Eigentlich sollte die Ausstellung bereits im vergangenen Jahr eröffnet werden, auch weil der Stadtsportbund 2020 sein 100-jähriges Bestehen feierte. In der Publikation zur Ausstellung schreibt Jens Sattler, Geschäftsführer vom Stadtsportbund, eine Standortbestimmung und einen Ausblick auf den Sport in Krefeld. Der reich bebilderte, 150 Seiten umfassende Band wurde vollständig durch die Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld ermöglicht. Das Buch kostet 24,95 Euro. Auf dem Youtube-Kanal der Stadt Krefeld steht ab sofort ein Einführungsfilm zur Ausstellung. Der Besuch des Museums Burg Linn ist zurzeit nur mit einer Anmeldung über www.museumburglinn.de möglich. Es gelten die aktuellen Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen.