Ausschuss SAGIS verabschiedet Konzept für Obdach Krefeld

Geplantes Obdach Krefeld an der Feldstraße. Erster Entwurf. Visualisierung: ZGM
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Die Mitglieder des Ausschusses für Soziales, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Inklusion, Senioren und Integration (SAGIS) haben dem von der Krefelder Verwaltung erstellten Konzept zur Obdachlosenhilfe und Neuausrichtung der Notunterkunft Feldstraße mehrheitlich zugestimmt. Die Verwaltung plant, die Obdachlosenhilfe in Krefeld neu aufzustellen. Damit verbunden ist der Ausbau der früheren Don-Bosco-Schule, die aktuell schon als Notunterkunft genutzt wird, zusätzlich mit einem Erweiterungsbau hin zu einem „Obdach Krefeld“. Ziel dieses Konzeptes ist es, mehr Obdachlose in Krefeld von der Straße zu holen, ihnen dabei zu helfen, wieder zu Fuß zu fassen und perspektivisch in einer Wohnung leben zu können. „Wir wollen Obdachlosigkeit nicht verwalten, sondern eine gute Lösung für die Obdachlosen und auch die Stadtgesellschaft finden“, sagte Sozialdezernentin Sabine Lauxen im SAGIS bei der Vorstellung des Konzeptes. Sie betont auch, dass die Bereitstellung von Unterkünften für Obdachlose zu den kommunalen Pflichtaufgaben zählt.

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In Krefeld leben nach Schätzung der Verwaltung rund 200 Obdachlose, dazu eine nicht zu ermittelnde Dunkelziffer. Diese Menschen brauchen eine ihnen bekannte Infrastruktur und sind ortsgebunden. Je enger die Begleitung im Stadtteil erfolgen kann und je enger die Bindung an vertraute Personen, desto größer nach Erkenntnissen der Stadtverwaltung die Chance, dass diese Personen aus der Obdachlosigkeit geholt werden können. Derzeit gibt es für die Obdachlosen zwei Übernachtungsmöglichkeiten. Die Caritas bietet eine kleine Notschlafstelle an der Melanchthonstraße 68, die Stadt Krefeld betreibt ihre Notschlafstelle in der ehemaligen Don-Bosco-Schule an der Feldstaße 45. Die Notschlafstelle Feldstraße ist allerdings aufgrund der baulichen Gegebenheiten – keine Barrierefreiheit und Sanitäranlagen im Außenbereich – als Obdachlosenunterkunft moderner Art nur bedingt tauglich.

Kapazität von 89 Plätzen soll nicht überschritten werden

Rachid Jaghou, Leiter des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM) in Krefeld, stellte im SAGIS die Planung im Detail vor, die neben der Sanierung des Bestandsgebäudes auch einen viergeschossigen Neubau an der Kölner Straße vorsieht. Er betonte aber, dass die aktuelle Kapazität von insgesamt 89 Plätzen nicht überschritten werden solle. Im ersten Bauabschnitt soll ein Neubau errichtet werden. Darin sind rund 40 Einheiten mit einem Standard von je 20 Quadratmetern geplant, alle jeweils mit Badezimmer, Dusche, Kochnische und Schlafbereich. Hinzu kommen im Neubau Sozialräume, Lagerräume, Umkleideräume und Beratungsräume. Alle Einheiten sind mit Verbindungstüren ausgestattet. Der zentrale Eingang erfolgt über die Kölner Straße/Feldstraße. Dort wird es ein Foyer mit Rezeption geben.

Im zweiten Schritt folgt die Sanierung des Bestandsgebäudes sowie die Errichtung des Sanitärbaus. Im Bestandsgebäude stehen umfangreiche Sanierungsarbeiten an, die technische Gebäudeausrüstung wird erneuert, ebenso die Trinkwasserleitungen. Der Hof soll ebenfalls neugestaltet werden. Das Zentrale Gebäudemanagement geht in der aktuellen Entwurfsphase von Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro aus, wobei wegen des frühen Planungsstadiums eine vierzigprozentige Kostenreserve einkalkuliert werden muss. Im Rahmen der Aufstellung für die Haushalte ab dem Jahr 2022 soll die Realisierung des Projekts Obdach Krefeld berücksichtigt werden. Die bauliche Gesamtprojektzeit beläuft sich nach aktueller Schätzung auf vier Jahre.

Obdachlosenhilfe wird inhaltlich neu aufgestellt

Mit dem räumlichen Umbau soll eine Konzeption einhergehen, die die Obdachlosenhilfe auch inhaltlich neu aufstellt. Geplant ist ein Dreistufen-Modell je nach Klient: In Stufe eins werden die Obdachlosen abends aufgenommen und morgens wieder entlassen. Die Unterbringung erfolgt in Zweibettzimmern, gemeinschaftliche Duschen und Toiletten können genutzt werden. In Stufe zwei steht den Klienten eine Wohneinheit mit 20 Quadratmetern Wohnfläche und zweckmäßiger Standardausstattung, Kochgelegenheit, Dusche und WC zur alleinigen Nutzung rund um die Uhr zur Verfügung. Dort werden bedingungslos alle Personen untergebracht, die nicht mehr auf der Straße leben möchten, aber auch keine Begleitung durch Sozialarbeit wünschen. Es gibt aber regelmäßige Gesprächsangebote durch das Team Sozialarbeit.

In Stufe drei kann diese Wohneinheit mit 20 Quadratmetern Wohnfläche auch individuell gestaltet werden. Nach Umsetzung der Hygienevorschriften können dort Personen leben, die Unterstützung durch Sozialarbeit wünschen und sich kooperationsbereit zeigen. Ziel ist es, diese Klienten in betreutes oder eigenständiges Wohnen zu vermitteln. Mit den Sozialarbeitern wird ein Hilfeplan erstellt. Die Unterbringung in den Stufen zwei und drei soll einen Zeitraum von zwölf Monaten nicht überschreiten. Sie dient als Schritt in die Verselbstständigung.

Die Verwaltung prüft auch, ob eine eigenständige Obdachlosenunterkunft für Frauen an anderer Stelle im Stadtgebiet realisierbar ist. Über die Diakonie sollen Frauen in betreuten und geschützten Wohnformen untergebracht werden. Frauen können aber auch an der Feldstraße übernachten. Dort wird ein eigener Sanitärbereich geschaffen. Für Obdachlose mit erheblichem Pflegbedarf soll zudem in Zusammenarbeit mit örtlichen Anbietern der Pflege ein adäquates Angebot für obdachlose Menschen geschaffen werden. Seit vielen Jahren ist hier insbesondere das Gösta-Blomberg-Haus engagiert. Hier soll es zu einer Fortführung des Angebotes kommen.

Auch „Waschen heißt Würde“ soll umgesetzt werden

Im neuen Obdach Krefeld soll auch das Konzept „Waschen heißt Würde“ umgesetzt werden. Menschen, die auf der Straße leben, können jederzeit in die Einrichtung kommen und unter sicheren Bedingungen Dusche und WC nutzen. Eine enge Verzahnung soll es zum Tagesaufenthalt der Diakonie an der Lutherstraße 18 geben. Ein eigener Bewohnerbeirat soll für die Feldstraße ins Leben gerufen werden. Er hat die Aufgabe, die Interessen obdachloser Menschen gegenüber Stadt und anderen Trägern darzulegen. Die Stadt wird im Rahmen des Arbeitsprogramms auch Quartiershelfer im Gebiet um die Feldstraße einsetzen. Der Kommunale Ordnungsdienst wird rund um das Obdach regelmäßig Präsenz zeigen.

Sozialdezernentin Sabine Lauxen ist in den vergangenen Wochen mit verschiedenen Formaten mit den Bürgern in einen Dialog getreten. Sie hat mit Bürgern persönlich gesprochen, zusätzlich gab es zwei Dialogformate am Abend, bei denen die Stadtverwaltung umfassend über die Planung eines Obdach Krefeld informiert hat. Anregungen der Bürger sind danach auch in die weitere Planung eingeflossen. Kurzfristig kommen in dem Gebiet zwei Quartiershelfer zum Einsatz, die als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und ein Auge auf das Quartier haben. Die Verwaltung bietet für die Anwohner im Quartier künftig auch eine regelmäßige Sprechstunde an. Als direktes Ergebnis wird von der GSAK das Umfeld intensiver gereinigt, es sind weitere Mülleimer aufgestellt worden. Auch das Wartehäuschen an der Feldstraße wird bereits häufiger gereinigt.

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) ist nun häufiger im Bereich unterwegs, um das Sicherheitsgefühl der Anwohner zu stärken. Auch die Polizei zeigt regelmäßig Präsenz. Um die Belastung für das Quartier zu reduzieren, ist in einem speziellen Zelt auf dem Gelände der ehemaligen Schule nun der Konsum von leichten Alkoholika erlaubt. So soll vermieden werden, dass sich zu viele Menschen abends im Wartehäuschen aufhalten. Diese und weitere Themen sollen fortlaufend in einer Steuerungsgruppe besprochen werden, zu der der Bewohnerbeirat, Anwohnervertreter, Politik, Diakonie, Caritas, Verwaltung, Polizei, das Freizeitzentrum Süd, das Quartiersmanagement und die GSAK gehören. Die Steuerungsgruppe startet nach den Sommerferien.

In Ergänzungsanträgen hat die Politik im SAGIS entschieden, dass auch in anderen Stadtteilen nach Räumlichkeiten gesucht werden soll, die bei entsprechender Lage – etwa an kalten Wintertagen – zur Verfügung gestellt werden können. So soll vermieden werden, dass die Einrichtung an der Feldstraße überläuft. Durch Angebote für spezifische Gruppen soll die Feldstraße ebenfalls entlastet werden. Dezernentin Sabine Lauxen betonte, dass das Konzept regelmäßig weiterentwickelt und an die vorhandenen Bedarfe angepasst werde.

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