Grüne fordern Umdenken beim Kampf gegen Überflutungen

Die letzten schweren Überflutungen durch Starkregen im Süden Krefelds machen deutlich, dass die Tendenz zu häufigeren und intensiveren Unwettern im Rahmen der globalen Klimaerwärmung zunehmen werden. Laut Studien des Umweltbundesamts und des Potsdam-Instituts für Klimaforschung werden intensive Starkregenereignisse, die statistisch nur etwa alle hundert Jahre auftreten, vor allem in den Sommermonaten wesentlich zunehmen.

„Es braucht zum einen mehr Aufklärung, doch die findet man auf den städtischen Internetseiten nicht. Allein auf die Vorsorgepflicht der Bürgerinnen und Bürger zu verweisen, reicht uns nicht“, erklärt Ana Sanz, baupolitische Sprecherin der Grünen. „Von der Handlungsstrategie Starkregen, die 2015 versprochen wurde, hören wir schon länger nichts mehr. Stattdessen werden in Krefeld weiterhin Flächen versiegelt und kaum Versickerungsflächen geschaffen. Der Umgang mit Starkregen darf nicht als rein unterirdisches Abführproblem betrachtet werden. Bei extremen Starkregen muss Wasser zwangsläufig über die Oberfläche abgeführt oder zurückgehalten werden.“

Da das Problem nicht durch ein vergrößertes Kanalnetz zu lösen sei, brauche es eben genau das Gegenteil von Versiegelung: ein Entsiegelungsprogramm mit konkreten Zielen, die Befestigung von Wegen und Plätzen mit wasserdurchlässigen Boden, und mehr Beratung über und Anreize für Versickerung von Niederschlagswasser auf dem Grundstück. „Wir hatten z.B. vorgeschlagen, kaputte Radwege auf einem Teilstück des Glockenspitz zu entsiegeln und die Fahrspuren auf die Fahrbahn zu verlegen, oder neue Kitas und Schulen in kleinen Grünoasen ihr Niederschlagswasser selbst versickern zu lassen, doch stattdessen werden sie oft an das überlastete Kanalnetz angeschlossen. So seien keine nennenswerten Fortschritte zu erzielen“, ergänzt Frau Sanz.

Axel Heimendahl, Sprecher für Naturschutz, erläutert: „Es geht nicht nur um die Vermeidung von Überflutungen. Die Versickerung von Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück kommt Bäumen und Pflanzen zu Gute und entlastet den Kanal genauso wie begrünte Dächer durch die Verdunstungsleistung und die verzögerte Ableitung von Niederschlagswasser. Damit wäre die Stadt bis hinein in die City robuster für Klimaextreme. Wir sollten alle Spielräume der Bauleitplanung für eine widerstandsfähige Stadtentwicklung nutzen: angefangen bei einer Erhöhung des Grünflächenanteils über weniger Neuversiegelung von Flächen, der Anlage von Versickerungsmulden bis zur Ausweitung der dezentralen Rückhaltung mit Mulden, Rigolen, Gründächern.“ Das könne bei flächiger Umsetzung neben punktuell optimierten Kanälen, einer Starkregengefahrenkarte und großen Notflutflächen im Stadtgebiet ein wichtiges Standbein für effektives Starkregenrisikomanagement sein. Die Grünen haben einen Sachstand zur Fortschreibung der Starkregenstrategie angefordert.