Krefelder Museen zeigen zwei Ausstellungen zu Joseph Beuys

Beuys-Expertin und Kuratorin Magdalena Holzhey und Museumspädagoge Thomas Janzen in der Ausstellung "Kunst = Mensch. Joseph Beuys in Krefeld" im Kaiser-Wilhelm-Museum. Foto: Stadt Krefeld
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In Krefeld widmen sich zurzeit gleich zwei Ausstellung dem Künstler Joseph Beuys anlässlich seines 100. Geburtstags: Das Museum Burg Linn zeigt die Kabinett-Ausstellung „Beuys don’t cry“, und im Kaiser-Wilhelm-Museum ist die Ausstellung „Kunst = Mensch. Joseph Beuys in Krefeld“ zu sehen. Während die Ausstellung in Linn persönliche Bezüge von Beuys nach Krefeld und an den Niederrhein vorstellt, stellt die Präsentation in der Innenstadt Beuys‘ Aktion „Kunst = Mensch“ in den Mittelpunkt.

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Joseph Beuys ist tief verwurzelt mit dem Niederrhein. Das beginnt natürlich mit der Geburt beziehungsweise dem Geburtsort. In diversen Biographien und vom Künstler selbst werden die Umstände und der Ort anders wiedergegeben, als es den Tatsachen entspricht. Die Kuratoren Dr. Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn, und der Historiker Dirk Senger schlüsseln in der Ausstellung „Beuys don’t cry“ dieses Rätsel um dem Geburtsort Krefeld auf und erläutern, warum Beuys in seinem künstlerischen Werklauf/Lebenslauf nur Kleve nennt. Ferner betrachten Morscheiser und Senger zwei für Beuys wichtige Freundschaften: Zu den Brüdern Hans und Franz Jospeh van der Grinten aus Kranenburg und dem Schriftsteller Adam Reinhard Lynen aus Krefeld. Während die Freundschaft zu den Brüdern reichlich bekannt ist, geriet die enge Beziehung zu Lynen weitestgehend in Vergessenheit.

Beuys und Lynen

Beuys und Lynen lernten sich Ende der 1940er-Jahre im Umfeld der Kunstakademie Düsseldorf kennen. Die Beziehung zu Lynen war Beuys so wichtig, dass er sie in seinem Werklauf/Lebenslauf aufführt. Lynen lebte über längere Phasen als Vagabund und reiste mit einfachsten Mitteln um die Welt. Er kehrte aber immer wieder nach Krefeld zurück und wohnte dort zeitweise mit Beuys in einer Hütte an einem Altrheinarm zusammen. Erstmals wird in einem Museum nun über das abenteuerliche Leben und das bis auf ein Buch bislang unveröffentlichte schriftstellerische Werk von Lynen berichtet. In der Ausstellung „Beuys don’t cry“ greifen Morscheiser und Senger zudem die Themen Beuys und die Musik, sein Wirken als Lehrer im Zusammenhang mit den Schülern Anatol und Norbert Tadeusz sowie sein politisches Engagement für die Grünen auf. Dabei knüpfen sie stets einen lokalen oder regionalen Bezug. Zeitgenössische Zeitungsberichte ergänzen Ausstellungsobjekte und vermitteln einen Eindruck von den damaligen Diskussionen um und über Beuys. Die Kuratoren möchte die Besucher so neugierig machen, auch an anderen Orten am Niederrhein und im Kaiser-Wilhelm-Museum mehr über Beuys zu erfahren. Die Ausstellung endet am 14. November.

Ausstellung „Kunst = Mensch“ im KWM

Im Kaiser-Wilhelm-Museum hören Besucher zuerst Joseph Beuys: leidenschaftlich, konzentriert, lachend, an einem heute legendären Abend, der nun schon ein halbes Jahrhundert zurückliegt. Eigentlich soll Beuys an diesem 15. Dezember 1971 im oberen und mit Menschen völlig überfüllten Lichtsaal des Kaiser-Wilhelm-Museums über die neuerworbene Installation „Barraque D`Dull Odde“ den Vortrag „Kunst = Mensch“ halten. Manch ein Zuschauer erwartet in den kommenden Stunden eine Erklärung des Kunstwerkes durch seinen Schöpfer. Doch über die „Barraque D`Dull Odde“ verliert Beuys kaum ein Wort. Dafür spricht er ausführlich über seinen erweiterten Kunstbegriff. Und dann entwickelt sich an diesem Abend eine hitzige Diskussion über Kunst und über Beuys.

„Den Abend erklärte Beuys später zur Aktion“, sagt Dr. Magdalena Holzhey. Sie hat die aktuelle Ausstellung im Haus am Joseph-Beuys-Platz kuratiert. In deren Zentrum stehen die zwei von Beuys selbst gestalteten Räume unter anderem mit der „Barraque D`Dull Odde“. Es ist das einzige noch vorhandene Raumensemble in Nordrhein-Westfalen, das Beuys selber installiert hat. Um die Beuys-Räume erzählt Holzhey die langjährige Beziehung zwischen dem Künstler und dem Museum und dessen ehemaligen Direktoren Paul Wember und Gerhard Storck. Der künstlerische Kontakt beginnt schon zu Beuys Studentenzeiten an der Düsseldorfer Kunstakademie. Von Ende der 1940er-Jahre bis in die Mitte der 1980er-Jahre dauerte die besondere Beziehung zwischen dem Museum und dem Künstler an. „Wir haben Zeichnungen und Fotos aus unserem Archiv herausgesucht und dieses Material in vier Räumen um die Installationen herum ausgebreitet“, so die Kuratorin. Zu den Fotos suchte Holzhey diverse Zeitungsberichte über Beuys Aktionen und Ausstellungen samt Leserbriefen aus dem Archiv aus. Deren Inhalte reichen von fassungsloser Empörung bis hin zur Bewunderung – eine unterhaltsame wie spannende Lektüre.

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt in die Krefelder Museen. Weitere Informationen über die Ausstellungen und das Rahmenprogramm stehen unter www.museumburglinn.de und www.kunstmuseenkrefeld.de sowie über das Beuys-Jahr in Krefeld unter www.krefeld.de/beuys2021.

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