Verein Freunde der Museen Burg Linn hilft seit 45 Jahren

Vereinsmitglieder der Freunde der Museen Burg Linn auf einer Tour nach Belgien. Foto: Verein (Archiv)

Helgard van Hüllen, Heide Gerritzen und Jeannine Moens – drei Frauen haben in den vergangenen 45 Jahre die Geschicke des Vereins „Freunde der Museen Burg Linn“ gelenkt. Fast ein halbes Jahrhundert mit nur drei Vorsitzenden zeugt von Kontinuität und Zuverlässigkeit. Das gilt nicht nur für den Vorstand, sondern auch für die vielen Mitglieder. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie das Deutsche Textilmuseum Krefeld und das Museum Burg Linn nicht nur tatkräftig, sondern vor allem finanziell unterstützt. Einnahmen durch Führungen und den Bücherbasar ermöglichen Anschaffung für die Sammlungen und Publikationen für beide Häuser.

Die Finanzierung eines Buches stand auch am Beginn des Vereins: Im Herbst 1975 bat die ehemalige Museumsleiterin Professorin Renate Pirling im Kulturausschuss, für die Publikation eines neuen Burgführers dem Museum einen kleinen Zuschuss zu gewähren. „Das wurde abgelehnt, und ich war bitter enttäuscht. Heute können wir froh sein, dass es so kam“, erinnerte sich Pirling. Denn nach dieser Sitzung kam Ratsfrau Helgard van Hüllen auf sie zu und schlug vor, einen Förderverein zu gründen. Bevor sie der Gründung zustimmen wollte, erkundigte Pirling sich bei anderen Museumsdirektoren nach deren Erfahrung mit entsprechenden Vereinen. Ein Kollege aus Norddeutschland riet ihr vehement ab: Der Vorsitzende des dortigen Fördervereins versuche sich ständig einzumischen und obendrein schwärze er den Direktor permanent bei der Verwaltung an. Alle anderen rieten ihr jedoch dazu, einen solchen Verein zu gründen.

Gründung des Vereins im Februar 1976

Am 6. Februar 1976, einem eiskalten Tag, stellte sie eine Flasche Sekt auf eine Fensterbank ihrer Dienstwohnung in der Zehntscheune von Burg Linn. Sie und drei Frauen trafen sich, um die Gründung auf den Weg zu bringen. Die erste Flasche wurde geleert. Aber ein Frauenclub sollte es nicht bleiben, und so suchten und fanden sie weitere Mitstreiter. Am 8. Februar stellte Pirling dann zwei Sektflaschen auf ihre Fensterbank, die auch bald geleert wurden, denn der Verein konnte gegründet werden. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte im März, die erste Sitzung am 25. Mai. Die folgenden Treffen befassten sich mit den praktischen Aufgaben bei einer Vereinsgründung wie dem Schreiben einer Satzung. In der Museumsscheune tagte dann am 20. Juni 1976 die erste Mitgliederversammlung des zunächst für die Burg und das Archäologische Museum formierten Verein.

Die Idee des Vereins begeisterte bereits im September rund 170 Mitglieder. „Von den Damen und Herren sind einige noch heute Vereinsmitglieder“, berichtet Jeannine Moens. Neben dem Engagement für die Museen entwickelte sich auch ein Vereinsleben. Der erste Ausflug führte 36 Vereinsmitglieder am 14. Juli 1976 zum Ausgrabungsgelände nach Gellep. Sie wurden dort Zeugen der Entdeckung einer Grabstelle. In der Folgezeit bewachten einige bei den Grabungskampagnen auch nachts die offenen Fundstellen. Die Beziehungen der Museumsleitung zu Wissenschaftlern und Forschern halfen dem Verein, regelmäßig interessante Vorträge für die Mitglieder anzubieten. „An diesen Abenden konnte man nicht nur Eintrittsgelder einnehmen, sondern auch Spenden sammeln und um Mitglieder werben“, so Moens.

In der Öffentlichkeit wurden die Museumsführer aus dem Kreis des Vereins schnell bekannt und ihre Tour bei den Besuchern beliebt. Die Museumsführer spendeten ihr Honorar dem Verein und somit dem Museum. „Die Museumsführer sind für unser Haus auch ein wichtiger Multiplikator. Ihre gut ausgearbeiteten Touren werden weiterempfohlen und locken so neue Besucher nach Linn“, sagt Dr. Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn. Auch die Betreuung von Museumsbeständen wie der Sammlung von Mechanischen Musikinstrumenten gehört zum ehrenamtlichen Aufgabenspektrum. Für ihren umfassenden Einsatz wurde die Museumsführer des Vereins 1988 mit dem „Preis der Stadt Krefeld für bürgerschaftliche Selbsthilfe“ ausgezeichnet.

Vielfältige Unterstützung des kulturhistorischen Erbes

Als die Stadt plante, die in der Hochschule Niederrhein beherbergte Textilsammlung mit dem Status des Deutschen Textilmuseums zu versehen, dafür den Stadtteil Linn vorsah und dort einen Neubau errichten wollte, beschloss der Förderverein schon 1977 auch die Unterstützung des Textilmuseums zu übernehmen. Bei der Eröffnung 1981 wurde eine große Summe für die Ausstattung gespendet. „Weil unser Haus heute nicht mehr über einen eigenen Ankaufsetat verfügt, können wir unsere Sammlung nur durch Spenden und die finanzielle Unterstützung des Fördervereins mit hochwertigen Objekten ergänzen“, sagt Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums. In den vergangenen Jahren waren es so mal kleinere, mal größere Anschaffungen oder Projekte die seitens des Vereins unterstützt wurden.

Im Museum Burg Linn zählen der Umbau des Kuhstalls im Paschhof und der Bau der Schiffshalle sicherlich zu den größeren Vorhaben. In der jüngeren Vergangenheit unterstützte der Verein unter anderem die Nachbildung des Schwertes aus dem Fürstengrab sowie den Erwerb historischer Bekleidung aus verschiedenen Jahrhunderten. „Die finanzielle Förderung der Museen in Linn ist eine Aufgabe, die nie zu Ende sein wird“, betont Moens.

Mit dem Beginn der Pandemie endete jedoch abrupt die Vereinsarbeit und die Möglichkeit, Geld für die Museen zu erwirtschaften: Vor allem die Büchermärkte fielen als eine der wesentlichen Einnahmequellen komplett aus. Gleiches gilt für die Führungen und weitere Aktivitäten. Doch das soll sich alsbald ändern, so Moens: „Sobald es möglich ist, werden unsere Bücherbasare wieder angeboten, ebenso wie Führungen und Vorträge.“