Erstmals Informationstage über Leichte Sprache und Einfache Sprache

Silvana Pasquavaglio, Stefan Stahmann und Heiko Imöhl (alle von der Lebenshilfe) und Oberbürgermeister Frank Meyer (Zweiter von rechts). Foto: Stadt Krefeld

Im Foyer der Mediothek haben sich Besucher bei Mitarbeitenden des Büros für Leichte Sprache – Niederrhein der Lebenshilfe Krefeld über Leichte Sprache und Einfache Sprache als Mittel der Inklusion informieren können. Derartige Informationstage unter dem Motto „Unsere Stimme für Inklusion“ fanden zum ersten Mal in Krefeld statt. „Ich begrüße es sehr, dass das Thema Sprache in Verbindung mit Inklusion immer wichtiger und sichtbarer wird – denn wahre Teilhabe wird nur möglich, wenn wir auf Augenhöhe kommunizieren können“, sagt Oberbürgermeister Frank Meyer. „Durch die Gründung des Büros für Leichte Sprache bei der Lebenshilfe und diese Veranstaltung rückt das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein – dafür bedanke ich mich bei den Veranstaltern“, so Frank Meyer.

In Deutschland leben rund 7,5 Millionen Menschen unter anderem mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche oder einer geistigen Behinderung und rund 13 Millionen Menschen mit eingeschränkter Schreib- und Lesekompetenz. Um ihnen die Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen, sollten sie bevorzugt in Einfacher Sprache oder Leichter Sprache angesprochen werden. Denn die Standardsprache mit ihren Nebensätzen, Verschachtelungen, Aufzählungen und Fremdworten bildet für Menschen mit einer Lernbeeinträchtigung oder einer Behinderung eine Barriere, sich und ihre Sicht in die Gesellschaft einzubringen. Die Leichte Sprache kommt ohne Nebensätze, Fremdwörter und den Konjunktiv aus. Sie wird nur im Präsens und Perfekt geschrieben. Ein Satz umfasst maximal zehn Wörter und einen Gedanken. Alle Sätze stehen untereinander. Abbildungen unterstützen das Geschriebene. Die Einfache Sprache steht zwischen der Standard- und Leichten Sprache. Bei ihr können unter anderem auch Nebensätze verwendet werden.

Idee stammt aus den USA

Die Idee der Leichten Sprache und Einfachen Sprache stammt aus den USA. Dort wurde das Prinzip in den 1970er-Jahren zuerst umgesetzt, Menschen mit einer Einschränkung auch sprachlich an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Das erfolgt in der Regel durch die „Übersetzung“ von der Standardsprache auf eine der beiden Verständnisstufen. Das Büro für Leichte Sprache – Niederrhein wurde im Mai 2019 dank der Förderung durch die Aktion Mensch bei der Lebenshilfe Krefeld gegründet. Es bietet inzwischen bundesweit derartige Übersetzungen an. Unter anderem zählen zu den Kunden die Senatsverwaltung Integration, Arbeit und Soziales in Berlin, Constantin Film in München und die Stadt Krefeld.

Wie Leichte Sprache und Einfache Sprache funktionieren und wie sie formuliert und gesprochen werden, stand nun im Mittelpunkt der Veranstaltung in der Mediothek. Dort stellte das Büro für Leichte Sprache – Niederrhein der Lebenshilfe sich und seine Arbeit den Besuchern vor. Die Mediothek präsentierte Bücher in Einfacher und Leichter Sprache aus ihrem Bestand. Zudem gab es ein Spiel-, Mal- und Bastelangebot für Kinder und Erwachsene. Ferner wurden drei Lesungen in Einfacher Sprache angeboten, bei denen ein Klassiker und eine neue Geschichte in Einfacher Sprache vorgelesen wurden: Heinrich Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ und „Unsichtbar“ von Diane Henschel. Die Vorleserinnen sind selbst Menschen mit einer Lernbeeinträchtigung.

Lesungen, Interviews und Eindrücke von den Informationstagen stehen auf Facebook und Youtube

Die erste Lesung wurde dabei live auf Facebook und dem Youtube-Kanal der Mediothek übertragen. Im Anschluss konnten Zuschauer mit der Autorin Diane Henschel und der Verlegerin Doreen Kuttner über das Buch „Unsichtbar“ und das Thema Einfache und Leichte Sprache diskutieren. Alle Lesungen fanden auch vor Präsenz-Publikum statt. und waren komplett ausgebucht. Die Lesungen, Interviews und Eindrücke von den Informationstagen wurden aufgezeichnet werden auf Facebook und dem Youtube-Kanal der Mediothek eingestellt.