„Museum Tinguely Ahoy!“ legt in Krefeld an

Ahoy Paris. Foto: Matthias Willi

Zu seinem 25. Jubiläum lichtet das Baseler Museum Tinguely die Anker und begibt sich auf eine besondere Schiffsreise. Unter dem Titel „Museum Tinguely Ahoy!“ macht sich das Museum auf dem umgebauten Frachtschiff MS Evolutie auf den Weg und bringt die Kunst Jean Tinguelys zu den Menschen. Die Route führt entlang wichtiger Orte und Wirkungsstätten aus Tinguelys Leben und Karriere und macht vom 25. bis 26. August in Krefeld fest. Jean Tinguely (1925-1991) war 1960 gleich zweimal in Museen in Krefeld zu sehen: Im Kaiser-Wilhelm-Museum mit der Ausstellung mit der Edition MAT. Im Museum Haus Lange konnte Tinguely 1960 seine erste museale Einzelausstellung präsentieren. Tinguelys erstes Relief Multiple, das Maschinenbild Haus Lange von 1960, ist für Krefeld entstanden.

Die Edition MAT – Multiples d’Art Transformables – wurde 1959 von Daniel Spoerri ins Leben gerufen. Die Idee der Edition MAT war es, Werke verschiedener Künstler preiswert herstellen und anbieten zu können. Unter anderem beteiligten sich Josef Albers, Marcel Duchamp, Heinz Mack und auch Jean Tinguely. Dabei sollte es sich nicht um Reproduktionen im üblichen Sinne handeln, sondern um multiplizierte Originale, in erster Linie kinetische Objekte. Tinguely schuf für die Edition MAT die Constante indéterminée, eine Maschinen-Skulptur, in der verschiedene Objekte eingespannt und in Rotation versetzt werden konnten.

Die Ausstellung im Museum Haus Lange brachte eine Übersicht der ersten sechs Schaffensjahre Tinguelys zusammen. Die Architektur des Baus eignet sich in idealer Weise für die Präsentation von zeitgenössischer Kunst, bereits vor Tinguely war Alexander Calder und im Jahr nach ihm Yves Klein zu Gast. Tinguely ergänzte den Ausstellungskatalog mit unüblichen Elementen: So erstellte er in einem Extraheft eine detaillierte Bauanleitung zur Herstellung des Reliefs Maschinenbild Haus Lange. Paul Wember schrieb in der Bauanleitung: „Wenn Sie die Maschine planmäßig erstellt haben, schicken Sie bitte eine Photographie derselben mit dem Etikett, das dieser Anleitung beiliegt, an das Museum Haus Lange. Wir besorgen Ihnen dann eine Signatur von Jean Tinguely, die das Bild als Originalwerk kennzeichnet.“

Während des Aufenthaltes des „Museums Tinguely Ahoy!“ gibt es am Donnerstag, 26. August, auch ein Programm im und am Haus Lange und dem Kaiser-Wilhelm-Museum: Die Performance „Body Instruments“ von Nevin Aladağ von 15 bis 15.15 Uhr an der Anlegestelle der MS Evolutie und von 17.15 bis 17.30 Uhr im Museum Haus Lange an der Wilhelmshofallee 91-97 ohne Voranmeldung. Das Platzangebot im Haus Lange ist begrenzt. Ein Performer trägt Musikinstrumente am Körper und bewegt sich damit im Stadtraum. Die Instrumente, zwei Akkordeons, Schellen und auf dem Kopf getragene Trommeln, werden durch die Körperbewegungen gespielt. Es entsteht ein Stück experimenteller Musik, das zwischen zwingend notwendigen, beispielsweise beim Gehen erzeugten Klängen und bewusst eingesetzten Bewegungen und dadurch hervorgerufenen poetischen Tönen balanciert.

Die Performance „Eurêka, c’est presque le titre“ von Marie-Caroline Hominal von 18 bis 18.30 Uhr ohne Voranmeldung, Platzangebot im Haus Lange ist begrenzt. Eine silbrige runde Fläche bildet die Bühne, auf welcher die Künstlerin eine Folge von Nummern tanzt: John Cage und Jean Tinguely erscheinen in einem Traum, eine Hexe reitet auf einem Besen und eine Objekt-Kreatur erwacht zum Leben. Hominal agiert dabei mit verschiedenen Fundobjekten, die sich zunehmend zu einer Assemblage gruppieren. Auf ähnliche Weise fügen sich die einzelnen Nummern des Stücks sukzessive zu einem bunten und doch stimmigen Gesamtbild einer tragisch-komischen imaginären Welt.

Ohne Voranmeldung, Platzangebot ist aber begrenzt

Die Performance „The Lady of the Lake“ von Keren Cytter von 19.30 bis 20.10 Uhr ohne Voranmeldung, Platzangebot ist begrenzt. Das Theaterstück besteht aus einem Dialog, der von den Schauspielern Fernanda Farah und Damian Rebgetz aufgeführt wird. Das Stück kombiniert Storytelling, Gesang, Tanz und Stand-up-Comedy. Die beiden Personen erzählen von prägenden Ereignissen in ihrem Leben: Etwa von der Mitgliedschaft im Ruderclub in der Kindheit oder von den fünf Ehemännern. Der pointierte und teils absurd komische Dialog mäandriert dabei geleitet von Assoziationen. Verwebt in den Dialog hat Cytter ihre prägnanten Metaphern und präzisen Analysen unserer gegenwärtigen Gesellschaft.

Die Ausstellung an Bord der MS Evolutie nimmt inhaltlich Bezug auf die Stationen der Jubiläums-Schiffsreise und präsentiert Tinguely und seine Kunst anhand von Fotografien, Schriften, Audiostationen, Filmen und Modellen auf circa 100 Quadratmeter im Rumpf des Schiffes. Ein weiterer Höhepunkt an Bord ist die auf dem Deck montierte Schwimmwasserplastik (1980) von Tinguely, die mit Flusswasser betrieben wird. Nach Krefeld steuert das Frachtschiff MS Evolutie Düsseldorf (28./29.08.) an und im September Koblenz, Frankfurt, Mannheim und schließlich den Heimathafen Basel.