Das Fabritianum ist „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“

Die Schülerschaft des Gymnasiums Fabritianum auf dem Weg zum Rhein, wo sie mit einem Regenbogenseil ihr Bekenntnis Schule ohne Rassismus bekunden. Foto: Gymnasium Fabritianum

Damit Vielfalt im schulischen Kontext möglich wird, hat sich die Schulgemeinschaft des Gymnasiums Fabritianum verpflichtet, Gemeinschaft zu pflegen und zu fördern sowie die Persönlichkeit jedes und jeder Einzelnen zu achten. „Wenn an meiner Schule Gewalt geschieht, diskriminierende Äußerungen fallen oder diskriminierende Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.“, erklärt Jannis aus einer achten Klasse. Diskriminierung aufgrund der Religion, der sozialen Herkunft, des Geschlechts, körperlicher Merkmale, der politischen Weltanschauung und der sexuellen Identität – das bleibt ein Problem im Mikrokosmos Schule wie in der gesamten Gesellschaft.

Lea aus der Q1 erzählt: „Wir arbeiten häufig an dem Thema. Wir haben Erinnerungsprojekte für die jüdischen und schwulen Opfer der Nazis gemacht und für die aus der Roma- und Sinti-Community, Workshops zum Thema Alltagsrassismus oder Zivilcourage. Seit dem vergangenen Schuljahr haben wir eine „Toilette für alle (Geschlechter)“, zwei Lehrerkräfte sind für LGBTIQ*-Personen und -Themen immer ansprechbar.“

Schulmotto: „Miteinander zum gemeinsamen Ziel“

Die Idee, die gesamte Schulgemeinschaft mit einem Regenbogenseil auf einen Spaziergang zum Rhein durch Uerdingen zu schicken, entstand zunächst als Notlösung für eine Auftaktveranstaltung während der ersten pandemiebedingten Schulschließung, erklärt Lehrer Thomas Tillmann: „Ein 1,5 Kilometer langes Seil garantiert, das wir bei rund 1.000 Schülerinnen, Schülern, Lehrerinnen und Lehrern den Mindestabstand von 1,5 Meter sicher einhalten können und so auf ungewöhnliche Weise das Schulmotto ‚Miteinander zum gemeinsamen Ziel‘ umsetzen. Auf diese Weise können wir nicht zuletzt die uns wichtige Botschaft hinaus in die Nachbarschaft, in die Stadt, zu ihren Bürgerinnen und Bürgern tragen, und so geht wieder einmal ein wichtiger gesellschaftspolitischer Impuls von der jungen Generation aus.“ Schülersprecher Jan Prinz berichtet von den vielen strahlenden Gesichtern bei den Teilnehmenden: „Gegen Rassismus und für Courage auf die Straße zu gehen, das ist für uns alle eine Herzenssache. Mich haben ältere Leute angesprochen und sich bedankt, dass wir am Fabritz solche Themen behandeln!“ Schulleiter Eric Mühle ergänzt: „Nach eineinhalb Jahren Einschränkungen durch die Pandemie ist heute die gesamte Schule zum ersten Mal wieder gemeinsam im wahrsten Sinne des Wortes unterwegs – wir spüren alle, wie sehr uns das gefehlt hat! Dass auch einige Eltern spontan zum Rhein gekommen sind und sich in unsere Menschenkette eingereiht haben, spiegelt wider, was ich aus E-Mails längst weiß: Auch sie sind froh, dass wir solche vermeintlich schwierigen Themen aufgreifen.“

Jeder erhielt ein Stück des Seils

Courage-AG-Leitungen Rebecca Jäger und Franz Mühler freuen sich: „Uns fällt ein Stein vom Herzen, dass wir dieses Riesenprojekt so gut gestemmt haben! Unser Dank geht an all die Ordnerinnen und Ordner aus der Oberstufe, an die flexiblen Kolleginnen und Kollegen, den Förderverein für die finanzielle Unterstützung und die Polizei Krefeld dafür, dass wir knapp 1.000 Kinder und Jugendliche sicher durch Uerdingen laufen lassen konnten.“ Alle Teilnehmenden bekamen anschließend ein kleines Stück des Seils für ein Armband geschenkt, der Rest wird in einer Kunstinstallation auf dem Schulgelände als Erinnerung daran zu sehen sein, dass alle Fabritianerinnen und Fabritianer an diesem Tag miteinander verbunden waren.