Erste Verträge mit Existenzgründern vor dem Abschluss

Andreas Beume, Zentrales Gebäudemanagement, Anna-Kristina Knebel, Stadt- und Verkehrsplanung, UND Claire Neidhardt, Leiterin Stadtmarketing, in einem leerstehenden Ladenlokal: Foto: Stadt Krefeld
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Ein Ladenlokal anmieten, die eigene Geschäftsidee endlich umsetzen – und dafür nur einen Bruchteil der üblichen Miete zahlen: Das ist die Grundidee von „Platz für deine Visionen“. Wenige Wochen nach dem Start des Programms steht nun der erste Vertrag mit einer neuen Ladenmieterin in der Innenstadt kurz vor dem Abschluss. Auch für Uerdinger Ladenlokale laufen intensive Gespräche mit potenziellen Mietern. Weit fortgeschritten ist die Einrichtung der Nachhilfe- und Sprachschule „LearnSpace Institut“ an der Breite Straße 45. Die Gründerin Samia Touati möchte dort ein ganzes Paket an Kursen anbieten: Nachhilfe für die Klassen 1 bis 13, Vorbereitungen für das Abitur und Erwachsenenkurse in Englisch, Spanisch und Französisch, Arabisch, Türkisch, Persisch und vielen weiteren Sprachen. Hinzu kommen Deutschkurse, auch für spezielle Berufsgruppen.

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Das „LearnSpace Institut“ soll aber weit mehr sein als eine herkömmliche Sprachschule. „Für uns ist Sprache der Schlüssel zur Welt. Es geht immer auch darum, dass Muttersprachler kulturelles Gut aus ihren Wurzeln weitergeben. Interkulturelle Aktivitäten und Programme sind fester Bestandteil unseres Angebots. Wir wollen einen Ort schaffen, der den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft fördert und anregt“, sagt die Gründerin Samia Touati, die selbst neben Deutsch auch Spanisch, Französisch, Arabisch, Italienisch, Englisch und Portugiesisch spricht.

Die Idee der Sprachschule passt perfekt in das Anforderungsprofil von „Platz für deine Visionen“. Denn gesucht sind Konzepte, die über klassischen Einzelhandel hinausgehen, zum Beispiel Freizeitangebote, Gastronomie, Manufakturen, saisonale Läden, eine Verbindung von analogen und digitalen Elementen oder eine Mischung aus Treffpunkt, Handel und Dienstleistung.

Im Zuge des Programms wurden insgesamt 16 leerstehende Ladenlokale angeboten, die auf originelle Geschäftsideen und innovative Konzepte warten. Da noch nicht für alle Flächen in der Innenstadt Konzepte eingereicht wurden, wird die Bewerbungsfrist für potenzielle Mieter und Existenzgründer für die Innenstadt nun bis zum 31. Oktober verlängert. Die bisher eingereichten Ideen werden aber dennoch zeitnah durch die Jury begutachtet und mit den Eigentümern abgestimmt, so dass hier keine Verzögerungen entstehen.

Nur 20 Prozent der üblichen Miete bezahlen

Dank einer Förderung durch das Land NRW und die Stadt Krefeld müssen die Gründer in den ersten zwei Jahren nur 20 Prozent der üblichen Miete bezahlen. „Die Hürden für neue Geschäftsmodelle waren noch nie so niedrig. Mit diesem Programm geben wir Ideen eine Chance: Man erhält die Gelegenheit, seinen Traum vom eigenen Laden zu verwirklichen und auf lange Sicht auszuprobieren“, betont Claire Neidhardt, Leiterin des Stadtmarketings.

Im Frühjahr hatte die Stadt Krefeld zunächst Eigentümer gesucht, die an dem Programm mitwirken wollen. Wer seine Ladenfläche auf diesem Weg vermieten möchte, muss auf 30 Prozent der alten Kaltmiete verzichten. Julian Lorch, Inhaber des Ladenlokals an der Breite Straße, wo nun die Sprachschule entsteht, hat bewusst entschieden, sich an „Platz für deine Visionen“ zu beteiligen: „Als Eigentümer begrüße ich dieses Programm sehr. Den Verzicht auf 30 Prozent der Miete nehme ich in Kauf, wenn es dazu dient, mit interessanten Angeboten die Stadt zu beleben und jungen Menschen dabei zu helfen, sich zu verwirklichen.“

Vermietet wird ab sofort

Weitere 50 Prozent der ursprünglichen Kaltmiete zahlt die Stadt, größtenteils aus Landesmitteln. Lediglich ein Fünftel des ursprünglichen Betrags muss der neue Mieter aufbringen. Für ein modernes Ladenlokal an der Angerhausenstraße bedeutet das zum Beispiel: Statt 4.000 Euro Kaltmiete zahlt man nur 1.435 Euro inklusive aller Nebenkosten. Das historische „Schirmhaus“ an der Hochstraße wird für 770 Euro zuzüglich Nebenkosten vermietet (sonst: 3.500 Euro Kaltmiete). An der Königstraße kann man schon für 655 Euro inklusive aller Nebenkosten einziehen, statt 2.500 Euro allein an Kaltmiete zu bezahlen. Und das günstigste Objekt an der Marktstraße kostet monatlich nur 284 Euro (sonst: 820 Euro Kaltmiete). Vermietet wird ab sofort. Wer in den Genuss der vollen zweijährigen Förderung kommen will, sollte seinen Laden spätestens zum 1. Januar 2022 öffnen.

Über die Landesförderung hinaus erhalten Existenzgründer in Krefeld zusätzliche Unterstützung. So berät das Gebäudemanagement der Stadt die künftigen Ladenbetreiber beim Vertragsabschluss. Die Industrie- und Handelskammer bietet zudem für die potenziellen Gründer Seminare an, die auf die Selbständigkeit vorbereiten. Am Ende sollen nicht nur Existenzgründer von dem Programm profitieren, sondern auch die komplette Innenstadt. „Privateigentum spielt bei der Belebung der City eine große Rolle, weil die meisten Flächen eben nicht öffentlich sind. Durch ‚Platz für deine Visionen‘ schaffen wir eine neue Form der Vernetzung zwischen Eigentümern, Ladenbetreibern und der Stadt“, sagt Claire Neidhardt.

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