Film als Hommage an die erste Gastarbeiter-Generation

Bei der Vorpremiere von "Gleis 11" in Krefeld: Regisseur Çağdaş Yüksel mit seiner Großmutter Nezihat Gönuleğlendiren, rechts Fachbereichsleiter Andreas Pamp und links Integrationsbeauftragte Dr. Tagrid Yousef Foto: Stadt Krefeld
- Werbung -

Fünf Jahre habe er an dem Film gearbeitet, erzählt Regisseur Çağdaş Yüksel im Anschluss an die Filmvorführung „Gleis 11″ im Krefelder Cinemaxx. Ein Herzensprojekt sei es gewesen, so der junge Filmemacher, die Verdienste der Frauen und Männer zu würdigen, die als erste Gastarbeiter-Generation wie seine Großeltern in den 60er-Jahren nach Deutschland kamen. Es dauerte, bis die Dokumentation Unterstützer gefunden hatte. Jetzt wird sie vom NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration gefördert. Nun durften rund 100 Interessierte eine Vorab-Vorführung sehen. Am 30. Oktober erlebt der Film in Köln seine offizielle Premiere – an dem Tag jährt sich das deutsch-türkische Anwerbeabkommen für Gastarbeiter aus der Türkei zum 60. Mal.

- Werbung -

Dass es sich nicht um „irgendein“ Publikum handelte, wurde direkt zu Beginn deutlich. Integrationsbeauftragte Dr. Tagrid Yousef, die zusammen mit dem Fachbereich Migration und Integration den Film nach Krefeld geholt und zu dem Event eingeladen hatte, bat die Zugehörigen der ersten, zweiten und dritten Generation Zugewanderter nacheinander aufzustehen. Viel Bewegung kam in den Saal – es erwies sich, dass sogar aus der vierten Generation Jugendliche das Kino besuchten. Auf Gleis 11 im Münchener Hauptbahnhof kamen die Gastarbeiter zunächst an – bis es dann für viele in andere Städte weiterging. So sehen die Zuschauer zunächst Szenen aus München, hastende Menschen, es sind Kommentare von Passanten zu hören. „Es sind zu viele“ – meint einer auf die Frage, was ihm zu den Gastarbeitern einfalle. Aber auch von anderer Seite: „Ich glaube nicht, dass wir ohne sie auskommen würden“.

Tränen flossen

Es waren dann eher leise Töne im Dokumentarfilm, die manche Träne rollen ließen. So verunglückte der Ehemann der Protagonistin Nezihat nicht lange nach deren Übersiedlung. Sie blieb mit acht Kindern und einem Lebensmittelladen alleine zurück. Oder eine schon betagte türkisch-sprechende Mönchengladbacherin bedauert unter Tränen, damals statt des Deutschkurses einen Nähkurs gewählt zu haben, „vielleicht wäre ich weniger auf andere angewiesen gewesen“, so übersetzen die eingeblendeten Untertitel. Und doch schwingt durch den ganzen Film viel Optimismus und Dankbarkeit: „Ich habe sehr viel Hilfe erfahren – durch Nachbarn, den Vermieter und andere“, erzählt die achtfache Mutter und früh verwitwete Nezihat, die im „wirklichen Leben“ die Großmutter des Filmemachers ist und zusammen mit ihm die Vorführung im Cinemaxx besuchte.

Lebensleistung wird greifbar

Nach und nach stellt Yüksel in seinem Film zugewanderte Menschen aus der Türkei, Griechenland und Italien vor. Wegen der schönen Frauen sei er nach Deutschland gekommen, erzählt etwa ein 72-jähriger gebürtiger Sizilianer und strahlt in die Kamera. Eine von ihnen habe ihn dann zum Bleiben bewegt. So reihen sich schöne an traurige Momente, ruhige an hektische. Die riesige Lebensleistung dieser ersten Gastarbeitergeneration wird durch die Dokumentation greifbar – ein Verdienst des jungen Filmemachers. „Das kann nur ein Anfang sein“, viele Projekte dieser Art mögen doch folgen, appellierte ein Besucher im Kinosaal beim anschließenden Austausch. Nächste Veranstaltungen zu dem Thema seien bereits konkret geplant, versicherte die Integrationsbeauftragte Dr. Tagrid Yousef.

- Werbung -