Museum Burg Linn: Ralf-Günter Stefan hat Rheinlandtaler erhalten

Dr. Christoph Dautermann (links), kommissarischer Leiter des Museum Burg Linn und Preisträger Ralf-Günter Stefan. Foto: Stadt Krefeld
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Einen Schatz hält Ralf-Günter Stefan in seinen Händen. „In Deutschland existiert nur noch eine entsprechende Ausgabe in der Universitätsbibliothek Kiel“, sagt der 66-Jährige. Bei dem sehr gut erhaltenen Buch handelt es sich um ein kommentiertes Evangelium nach Matthäus, gedruckt 1687 im niederländischen Dordrecht. „Es ist ein seltener Druck und soll die Sammlung bereichern“, so Stefan. Seit über 25 Jahre betreut er ehrenamtlich die historische Bibliothek im Museum Burg Linn in Krefeld. Für dieses und sein vielfältiges kulturelles Engagement in Nordrhein-Westfalen wurde ihm der Rheinlandtaler des Landschaftsverbands Rheinland verliehen.

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„Wir besitzen etliche Bibelausgaben, auch aus den Niederlanden, aber ein solches Exemplar ist noch nicht in der Sammlung“, so der pensionierte erste Kriminalhauptkommissar, der in seiner aktiven Zeit Leiter der Daktyloskopie und Spurensicherung im Polizeipräsidium Düsseldorf war. Der niederländische Bestand der historischen Bibliothek sei ohnehin etwas Besonderes. Die Ausgaben stammen wohl aus Spenden der Krefelder Mennoniten an das Museum, die bis ins 18. Jahrhundert ausschließlich niederländische Drucke für ihre Bibliotheken erwarben. Das Buch überreichte Stefan nun an Dr. Christoph Dautermann, kommissarischer Leiter des Museums Burg Linn, als Überraschungsgeschenk für die Historische Bibliothek. Dautermann brachte den Vorschlag für die Rheinlandtaler-Verleihung an den 66-Jährigen seinerzeit auf den Weg. „Herr Stefan hat sich nicht nur bei uns einen großen Verdienst um die Katalogisierung, Dokumentation und Konservierung von Bestände erworben. Und das alles im Ehrenamt“, sagt Dautermann.

Die erste Auszeichnung für Ralf-Günter Stefan

Neben Krefeld engagiert sich Ralf-Günter Stefan in Düsseldorf bei der Friedrich-Spee-Gesellschaft, arbeitet landesweit mit diversen Bibliotheken zusammen und verfasst wissenschaftliche Publikationen. Bei der Preis-Bekanntgabe 2020 wollte Stefan es zunächst gar nicht glauben. Dann setzte aber rasch die Freude über den Rheinlandtaler ein. „Das ist meine erste Auszeichnung überhaupt“, sagt er. Corona bedingt konnte die Verleihung erst im September in Düsseldorf erfolgen.

Die Zusammenarbeit mit dem Museum Burg Linn setzte schon von über zwei Jahrzehnten ein. Für die Ausstellung „Die alte Bibliothek“ lieh er erstmals dem Haus Bücher aus seinem umfangreichen historischen Buchbestand. Damals fiel ihm sofort der beklagenswerte Zustand der Bibliothek auf. Die ältesten Ausgaben darunter, wie eine Handschrift, stammen aus dem 15. Jahrhundert. Einige der Publikationen lassen sich weltweit nur noch in diesem Krefelder Bestand mit seinen rund 4.000 Büchern und Atlanten nachweisen. „Soll ich mich mal darum kümmern“, fragte er damals, und daraus erwuchs eine bis heute anhaltende Aufgabe.

Jeden Band schaut er sich Seite für Seite an

Die Sicherung der Bücher begann recht simpel durch Umstellen, so dass die Publikationen mit den Buchdeckeln nicht zu den Seiten wegknicken, wenn diese neben kleineren Büchern stehen. Nach und nach erfasste er jedes Buch und übertrug die Angaben in eine Datenbank. „Das genaue Erfassen von Büchern ist sehr aufwändig“, so Stefan. Jeden Band schaut er sich Seite für Seite an. Er beschreibt den allgemeinen Zustand des Buches, listet Schäden und deren Ausmaß auf, ob Seiten fehlen – manches Buch benötigt zum Schutz vor dem weiteren Verfall dringend eine Restaurierung. Auch die Notizen sowie Randbemerkungen von einstigen Besitzern nimmt er auf und welche Stiche, Zeichnungen oder Notenblätter in einem Buch vorhanden sind. „Je nachdem, was man sucht, kann es wichtig sein“, erklärt Stefan. Soweit wie möglich führt er auch die Provenienz in seine Beschreibung ein, die er durch Namenseintragungen oder Stempel nachweisen kann. „Die ältesten Werke sind alle erfasst“, so Stefan.

Zurzeit dokumentiert er Publikationen aus dem 19. Jahrhundert. Etwa 500 bis 700 Exemplare stehen hier noch aus. Damit diese einmal allen Wissenschaftlern weltweit zur Verfügung stehen, möchte Stefan den Bestand in den „Karlsruher Virtuellen Katalog“ einbringen. Dabei handelt es sich um eine Meta-Suchmaschine zum Nachweis von mehreren hundert Millionen Medien in Bibliotheks- und Buchhandelskatalogen. Als nächstes möchte Stefan eine Vitrine unmittelbar an der historischen Bibliothek im Museum Burg Linn bestücken. Dort wird er einige Schätze aus der Sammlung wie seltene Atlanten, Bücher über Geschichte und Botanik ausstellen. Das Evangelium nach Matthäus soll zunächst in die Bibliothek kommen.

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