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Start aus Krefeld Startschuss für „Artenschutzzentrum Affenpark“ rückt näher

Startschuss für „Artenschutzzentrum Affenpark“ rückt näher

Die Gorillafamilie um Kidogo, Milili mit Boboto, Pepe und Tambo (von links). Foto: Zoo Krefeld
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Mit dem Projekt „Artenschutzzentrum Affenpark“ geht der Zoo Krefeld in der Menschenaffenhaltung einen bedeutenden Schritt in Richtung Zukunft. Nach der mehrheitlichen Befürwortung des Neubau-Projektes durch den Rat der Stadt Krefeld im Februar 2020 und der Vorstellung einer Vorplanung im Juni 2020 können der Zoo und die Gesellschafter nun den aktuellen Planungsstand mit konkreten Bauabschnitten präsentieren.

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Auf Basis der aktuellen Planung liegt die Kostenschätzung bei 27.905.000 Euro für die Bauabschnitte 0 bis 3. Über Ausgleichszahlungen der Versicherung, Eigenmittel, bereits eingegangene und zukünftig einzuwerbende Spenden werden der Zoo und die Zoofreunde Krefeld 10.526.000 Euro der Kosten tragen. Die verbleibenden 17.379.000 Euro soll die Stadt als Hauptgesellschafter der gGmbH verteilt auf mehrere Haushaltsjahre übernehmen, wenn der Stadtrat diesem Vorschlag am 10. November zustimmt.

Friedrich R. Berlemann, 1. Vorsitzender des Zoofreunde, ist optimistisch gestimmt: „Wir Zoofreunde, alle Förderer und Spender sind heute froh, dass jetzt die Weichen gestellt sind für eine neue großzügige Anlage für Menschenaffen. Unser Dank an die vielen tausend Spender kann endlich mit der Gewissheit verbunden werden, dass Planung und Finanzierung für den neuen Affenpark stehen.“

Von der zentralen zur dezentralen Bauweise

Auf der 2,0 ha großen Fläche von der „Zoo-Brücke“ bis zur Berliner Straße sollen mehrere Warmhäuser mit umgebenden Außenanlagen für die drei großen Menschenaffenarten entstehen. Das „Artenschutzzentrum Affenpark“ soll in den kommenden zehn Jahren in vier zeitlich aufeinanderfolgenden Bauabschnitten (0 – 3) realisiert werden. Dieser Zeithorizont ermöglicht zum einen die Akquise weiterer Investitionsmittel durch die Zoo Krefeld gGmbH und den Zoofreunde Krefeld e. V., zum anderen belastet keine über Jahre andauernde Großbaustelle den Zoo, seine Bewohner und die Besucher.

„Wir erinnern uns alle an die verheerende Brandnacht und die unglaubliche Welle der Solidarität nach dem Unglück. Zoo, Stadtverwaltung, Politik und Bürgerschaft waren sich schnell einig: Wir bauen ein neues Zuhause für die Affen – schöner, moderner und artgerechter als jemals zuvor. Die nun vorliegende Planung ist ein großer Wurf für den Zoo und für Krefeld: Wer künftig in unserer Region Menschenaffen hautnah und in artgerechter Haltung erleben will, der muss in den Krefelder Zoo kommen“, erklärt Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer.

Voraussetzung für die vorliegende Planung war eine Flächenerweiterung, die 2021 erfolgte. Der Zoo Krefeld gGmbH wurde per Nießbrauch eine 0,4 ha große Fläche des jetzigen Kunstrasen-Fußballplatzes zugesprochen, so dass eine Mindestfläche von 2,0 ha für das Projekt zur Verfügung steht. So vergrößert sich die bisherige Fläche der Haltung im Affentropenhaus und Gorilla-Garten um rund das Fünffache.

Die folgend dargestellten Bauabschnitte „0″ und „1″ können ohne Abschluss des Bebauungsplanver-fahrens angegangen werden, da die betroffenen Flächen sich sämtlich auf dem bisherigen Zooge-lände befinden. Mit den Abschnitten „2″ und „3″ kann erst nach Abschluss des Bebauungsplanver-fahrens begonnen werden. Im Bauabschnitt 0 wird das bestehende Außengehege der Gorillaanlage, der sog. „Gorilla-Garten“, auf 2.000 Quadratmeter erweitert, damit die Gruppe um Silberrücken Kidogo – wie vom Zuchtprogramm gefordert – weiterwachsen kann. Die ca. 720 Quadratmeter große Erweiterungsfläche wird im Stil des „Gorilla-Gartens“ mit Trockengraben, Kunstfelsrückwand und einer naturnahen Gestaltung mit Naturboden, Bepflanzung, Klettergerüsten und Rückzugsmöglichkeiten gebaut. Die Bruttokosten für Planung und Bau belaufen sich gemäß einer Kostenschätzung auf insgesamt ca. 802.000 Euro. Die Detail-Planung dieser Anlage ist in Vorbereitung. Je nach Baubeginn und Ergebnissen der Ausschreibungen ist eine Fertigstellung in 2022 realistisch.

Im Bauabschnitt 1 wird ein multifunktionales über 830 Quadratmeter großes Menschenaffenhaus gebaut, das aus zwei Abteilungen besteht, die jeweils mit einer großräumigen Außenanlage verbunden sind. Hier wird die neu aufzubauende Gruppe der Schimpansen leben, deren Gründertiere die beiden den Brand überlebenden Schimpansen Bally und Limbo sein werden. Desweiteren werden pubertäre männliche Gorillas, die aus der Zuchtgruppe entwöhnt wurden („Junggesellengruppe“) und eine mit den Gorillas zu vergesellschaftete Meerkatzen- oder Mangabenart hier gehalten. Die nördlich vom Haus anschließende etwa 1.100 m² große Außenanlage der Schimpansen ist planerisch mit dem für das ehemalige Affentropenhaus entwickelten Bauvorhaben „Schimpansen-Wald“ nahezu identisch. Aufgrund der guten Kletterfähigkeiten von Schimpansen und auch jungen Gorillas werden beide Außenanlagen mit Edelstahlnetzen übernetzt sein, die zudem den Vorteil bieten, dass das gesamte Raumvolumen der Anlagen von den Affen genutzt werden kann. Das Haus ist für Besucher begehbar, die über Großscheiben Einblicke in die Innenanlagen erhalten. Die Kostenschätzung für Planung und Bau beläuft sich auf insgesamt ca. 9.906.000 Euro. Die Planung dieser Anlage ist in Vorbereitung, der Bauantrag kann bei Zustimmung der Gesellschafter im kommenden Jahr gestellt werden. Bei zeitigem Baubeginn in 2022 könnte das Projekt in 2023 abgeschlossen werden.

Der Bauabschnitt 2 ist der Anlagenkomplex für Orang-Utans, die in Gemeinschaftshaltung mit einer hochbedrohten Gibbon-Art gehalten werden sollen. Der Bau dieser Anlage kann erst nach Abschluss des B-Planverfahrens starten, da er überwiegend auf dem Erweiterungsgelände des ehemaligen Sport-Trainingsplatzes stattfindet. Diese besteht aus einem für Besucher begehbaren 2-etagigen Warmhaus mit vier Innen- sowie vier Außenanlagen. Die Zahl getrennter Gehege wird vom Zuchtprogramm vorgegeben und muss eine große Flexibilität der Haltungsbedingungen ermöglichen.

Da Orang-Utans wie auch Gibbons Baumbewohner mit einer kletternden Lebensweise sind, besitzen die Außenanlagen eine vollständig übernetzte Abgrenzung mit einer Vielzahl an Kletter- und Hangelmöglichkeiten, so dass das komplette Raumvolumen genutzt werden kann. Die Besucher erleben die Tiere auf einem ansteigenden behindertengerechten Höhenweg, der in die 2. Etage des Hauses führt, von der aus die Innenanlagen einsehbar sind. Das Haus ist bewusst in die Randlage in Richtung zum Stadion gesetzt worden, um als 2-etagiger hoher Baukörper den Stadionlärm akustisch abzufangen. Dem gleichen Zweck dienen darüber hinaus bepflanzte Lärmschutzwände, die an der Zoogrenze zum Stadion errichtet werden. Die Kosten Bauabschnittes 2 werden gemäß einer Kostenschätzung des zuständigen Architektenbüros aktuell auf ca. 9.876.000 geschätzt. Die Planung zur Baueingabe erfolgt in 2023, Baubeginn ist 2024, Bauende mit Fertigstellung spätestens in 2026. Als Bauabschnitt 3 wird auf dem nördlichen Teil des Affenparks in Richtung „Zoobrücke“ ein Warmhaus für die angewachsene Gruppe der Schimpansen mit einem weiteren angrenzenden Außengehege im Stil des „Schimpansen-Waldes“ gebaut. Das Haus grenzt ebenso an dieses Außengehege, so dass eine vielfältige Anlagenstruktur von miteinander verbundenen Innen- und Außenanlagen entsteht, in der die Schimpansen ihr äußerst flexibles soziales wie räumliches Verhalten verwirklichen können. Der Beginn dieser letzten Bauphase ab 2027 bietet zudem genügend Zeit, für die derzeit dort gehaltenen Arten wie Riesenschildkröten, Berganoa, Pinselohrschweine, Nilgauantilopen oder Formosa-Muntjaks alternative Haltungen im Zoo zu bauen und dorthin umzusiedeln oder sie abzugeben. Die Kosten des Bauabschnittes 3 liegen gemäß einer Kostenschätzung des zuständigen Architektenbüros aktuell bei ca. 7.321.000 Euro. Die Planung zur Baueingabe erfolgt in 2025, Baubeginn ist 2027, Bauende mit Fertigstellung spätestens in 2029.

Ab 2030 könnten optional weitere Ausbaustufen erfolgen: eine zusätzliche Erweiterung der Gorillaanlage und ein begehbares Tropenhaus für bedrohte kleinere Affenarten. Diese Projekte sind bislang nicht in der Planung und Kostenschätzung enthalten. Im Gegensatz zu dem bisherigen Affentropenhaus, das als großes Gewächshaus eine schlechte Energiebilanz aufwies, werden die künftigen Warmhäuser als Niedrig-Energiehäuser geplant, die zusätzlich mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Die Wärmeversorgung erfolgt entweder über das Fernwärmenetz der SWK oder dezentral über Geothermie mit Wärmeenergiepumpen. Die Versorgung mit Brauchwasser soll über eine eigene Brunnenanlage erfolgen, die per Ringleitung die neuen Gehege und Warmhäuser versorgt und von der des restlichen Zoos entkoppelt ist. Bei der Haustechnik werden die aktuellen Brandschutzbestimmungen eingehalten und mit der Feuerwehr abgestimmt.

Finanzierung

Für den Neubau des „Artenschutzzentrums Affenpark“ sind grundsätzlich fünf verschiedene Säulen denkbar. Neben den Eigenmitteln der Zoo Krefeld gGmbH (1. Säule), soll die Finanzierung insbesondere über die Mittel aus der Schadensregulierung des Affentropenhauses (2. Säule), die bislang eingenommenen und zukünftig weiter zu akquirierenden Spendenmittel (3. Säule) sowie aus Mitteln der Stadt Krefeld (4. Säule) und gegebenenfalls über Fördermittel (5. Säule) gesichert werden.

Für die Bauabschnitte „0″ und „1″ ist im Zeitraum 2021 und 2022 eine weitgehende Finanzierung über die bisher zur Verfügung stehenden Mittel aus der Schadensregulierung der Zoo Krefeld gGmbH und der Spendenmittel der Zoo Krefeld gGmbH sowie der Zoofreunde Krefeld e. V. vorgesehen. Auf diese Weise wird eine zeitnahe Verwendung der bereits zur Verfügung stehenden Mittel der Zoo Krefeld gGmbH gewährleistet.

Warum auch der Zoo Krefeld wieder Menschenaffen halten muss?

Alle drei Menschenaffenarten gehören zu den am stärksten im Freiland bedrohten Primaten, ihre Bestände in den ursprünglichen Lebensräumen zeigen dramatische Rückgänge aufgrund von massiver Wilderei und Lebensraumzerstörung in Form von Brandrodung, Holzeinschlag, Plantagenbau und Klimaveränderungen. Naturschutzorganisationen bemühen sich zwar seit Jahrzehnten um ihren Schutz zumindest in Nationalparks und Reservaten, doch auch hier sind die Bestände mittlerweile bedroht und rückläufig. Moderne Zoos machen den Artenschutz daher zu ihrer zentralen Mission und verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, in dem u.a. Menschenaffen-Individuen oder -Verbände mit natürlichem Sozialverhalten und Altersstrukturen eine zentrale Rolle für den Fortbestand der Art im Freiland eine zentrale Rolle spielen.

Mit dem Projekt „Artenschutzzentrum Affenpark“ setzt der Zoo Krefeld seinen über 45 Jahre bestehenden Schwerpunkt der Haltung und Zucht von Menschenaffen fort. Voraussetzung ist die Teilnahme an den Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEP) der hochbedrohten Primaten, die vom Europäischen Zooverband (EAZA) organisiert werden, dessen Mitglied der Zoo Krefeld seit vier Jahrzehnten ist. Dabei sollen Gruppen der drei Menschenaffenarten Westlicher Flachland-Gorilla (Gorilla g. gorilla), Westafrikanischer Schimpanse (Pan troglodytes verus) und Borneo Orang-Utan (Pongo pygmaeus) gehalten werden, die auch im ehemaligen Affentropenhaus erfolgreich gehalten und gezüchtet wurden und über die die Mitarbeiter des Zoos umfangreiche Erfahrungen in der Tierpflege, im Management und in der veterinärmedizinischen Betreuung haben. Alle drei Europäischen Zuchtprogramme haben mittlerweile dem Krefelder Zoo den unbedingten Wunsch zur Fortsetzung der Teilnahme an den Programmen signalisiert.

Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen schließt mit einem wichtigen Appell: „Moderne Zoos machen für ihre Besucher die Vielfalt der Lebensformen auf diesem Planeten erlebbar. Das Artenschutzzentrum Affenpark wird für unsere Zoobesucher ein wichtiger Ort dieses besonderen Erlebnisses. Es wird nicht nur tiefe und hautnahe Einblicke in das komplexe soziale Leben unserer nächsten Verwandten bieten, es stellt besonders den Schutz der hochbedrohten Menschenaffen in den Fokus, sowohl im Zoo wie auch in ihrem natürlichen Lebensraum. Ich bin fest überzeugt, dass das Projekt alle Krefelder Zoobesucher mehr denn je wachrütteln wird, sich nachhaltig und verantwortlich für den Artenschutz und die Zukunft der Vielfalt zu engagieren.“

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